Staatliche Museen : Berlins Gemäldegalerie bleibt noch lange

Nach heftigem Streit um die Zukunft der Alten Meister in Berlin hat sich Museumschef Eissenhauer erstmals ausführlich geäußert: Die berühmten Werke werden im Kulturforum erst abgehängt, wenn beim Erweiterungsbau am Bode-Museum alles klar ist.

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Gemäldegalerie am Kulturforum.
Gemäldegalerie am Kulturforum.Foto: dapd

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel erklärte der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, dass die weltberühmte Sammlung mit Meisterwerken von Botticelli, Dürer bis Rembrandt so lange wie möglich in der erst vor 14 Jahren bezogenen Gemäldegalerie am Kulturforum bleiben sollte. „Wir hängen die Bilder erst ab, wenn es einen bestätigten Zeit- und Finanzierungsrahmen für den Erweiterungsbau gibt, vorher nicht“, erklärte er. „Natürlich werden wir nicht die Spitzenwerke wie Rembrandt, van Eyck, Botticelli ins Depot verbannen.“

Im Juni hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages überraschend zehn Millionen Euro zur Umnutzung der Gemäldegalerie als Museum des 20. Jahrhunderts mit den Werken der Klassischen Moderne bewilligt, die jetzt in der Neuen Nationalgalerie untergebracht sind. Auch die geschenkte Kollektion des Berliner Sammlerehepaars Pietzsch mit Werken des Surrealismus sollte dort integriert werden. Deshalb war die Sorge geäußert worden, schon im September dieses Jahres könnte mit dem Auszug der Alten Meister begonnen werden. Dazu sagte Eissenhauer: „Das Geld ist zweckgebunden, nicht zeitgebunden.“ Es werde gewiss noch Jahre dauern, bis der politische Beschluss für einen Erweiterungsbau am Bodemuseum für die Alten Meister erwirkt sei und in die Tat umgesetzt werden könne.

Das Phantom des Museums. Dort sollen die Alten Meister eines Tages hin, in den Erweiterungsbau neben dem Bode-Museum. Jetzt hängen sie in der Gemäldegalerie, viele wollen, dass sie dort bleiben.
Das Phantom des Museums. Dort sollen die Alten Meister eines Tages hin, in den Erweiterungsbau neben dem Bode-Museum. Jetzt hängen...Foto: SMB

In Onlinepetitionen hatten sich in den letzten Wochen hunderte Unterzeichner gegen die sogenannte Museums-Rochade ausgesprochen. Größte Kritik hatte vor allem die befürchtete langjährige Verbannung der Hälfte der Altmeistersammlung ins Depot ausgelöst. Dies nannte Eissenhauer „ein großes Missverständnis“, gab allerdings Versäumnisse bei der Vermittlung der Neuordnung der Berliner Museumslandschaft zu. Es sei noch nicht gesagt, ob die Interimszeit bis zu zehn Jahre dauern würde, die Stiftungspräsident Hermann Parzinger genannt hatte.

Eissenhauer betonte die Notwendigkeit einer neuen Perspektive sowohl für die Alten Meister auf der Museumsinsel, „im Zentrum der veränderten Stadt seit dem Mauerfall“, als auch für die Moderne am Kulturforum als „Kristallisationspunkt der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts“. Nachdrücklich sprach er sich für die Gemäldegalerie als künftigen Standort der Neuen Nationalgalerie aus. Eine Erweiterung des Mies-van-der-Rohe-Baus, die seine Vorvorgänger Wolf-Dieter Dube und Günter Schade zuletzt noch einmal ins Spiel gebracht hatten, komme nicht in Frage. Der Platzbedarf sei wesentlich größer. Die Denkmalpflege verbiete es außerdem, die Architektur-Ikone als Solitär anzutasten. Zugleich gestand er hohen Handlungsbedarf für das Kulturforum ein, das er als „urbanistische Brache“ bezeichnete. Der anhaltenden Kritik an zu geringen Publikumszahlen in der Gemäldegalerie hielt er entgegen, dass Berlin nach Dresden die am zweitbesten besuchte Altmeistersammlung Deutschlands sei. „Die Besucherzahlen der Gemäldegalerie sind nicht schlecht, sie werden nur schlechtgeredet“, sagte Eissenhauer. Dem Kulturforum versprach er eine Zukunft wie die Museumsinsel in Mitte, gleichwohl bat er um Geduld bei der Umsetzung der Pläne.

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