Staatliche Museen : Ein Fall für zwei

Zwei Posten in Deutschlands größter Kultureinrichtung werden neu besetzt: Michael Eissenhauer soll Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin werden. Als neuer Direktor der Alten und der Neuen Nationalgalerie ist Udo Kittelmann im Gespräch.

Bernhard Schulz
Kulturforum
Sammeln, bewahren, ausstellen. Die Gemäldegalerie am Kulturforum -Foto: imago

Vorbei sind die Zeiten, da die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ihre Angelegenheiten in hochherrschaftlicher Ruhe beraten konnte. Der Stiftungsrat der größten deutschen Kultureinrichtung tagt zwar erst am kommenden Dienstag, doch gestern bereits traf seine Findungskommission zwei Vorentscheidungen: Michael Eissenhauer soll neuer Generaldirektor der Staatlichen Museen werden, Udo Kittelmann (49) Direktor der Nationalgalerie. Beide folgen Peter-Klaus Schuster (64) nach, der die beiden Ämter in Personalunion führt und im kommenden Herbst altersgemäß ausscheiden wird. Damit sind nach der Wahl des Archäologen Hermann Parzinger (48) zum neuen Stiftungs-Präsidenten und Nachfolger von Klaus-Dieter Lehmann (67), der Anfang April an die Spitze des Goethe-Instituts wechselt, die beiden wichtigsten Personalien der Preußen-Stiftung geklärt.

Die Entscheidung bestätigen wollten weder die Staatlichen Museen noch der Stiftungsratsvorsitzende, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, um der Ratssitzung nicht vorzugreifen. Doch da Neumann, Lehmann und Parzinger die Spitze der Findungskommission bildeten, dürfte an der offiziellen Nominierung kein Zweifel bestehen.

Die Trennung der von Schuster vereinten Ämter war seit langem erhofft worden. Nicht weil Schuster sie nicht ausgefüllt hätte, ganz und gar nicht. Doch die hergebrachte Kollegialverfassung der immerhin 17 Berliner Museen, die Mehrzahl von Weltrang, ließ eine gemeinsame, nicht einem einzelnen Haus verpflichtete Leitung stets wünschenswert erscheinen. Mit dem für die kommenden Jahre anstehenden Umzug des Ethnologischen Museums in das Humboldt-Forum im Berliner Schloss wird sich der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ohnehin über die Nationalgalerie hinaus weiten.

Beide Personalentscheidungen sind als glücklich zu bezeichnen. Eissenhauer amtiert seit 2001als Direktor der Staatlichen Museen Kassel. Mittlerweile hat das hessische Kunstministerium einen umfassenden 200-Millionen-Euro-Plan zur Neuordnung der dortigen Museen vorgelegt. Eissenhauer kommt dabei die Aufgabe des Steuermannes zwischen den unterschiedlichen Interessen der Altmeistersammlung, der modernen Kunst und der Gartendenkmalpflege zu, die den Park Wilhelmshöhe, mit der Dominante des Schlosses in einen historisch angemessenen Zustand versetzen will.

Als Präsident des Museumsbundes sieht sich Eissenhauer als Moderator des Wandels. „Ich bin überzeugt davon,“ – gab er als Leitlinie der Diskussion unter den 6000 deutschen Museen aus – „dass wir vieles, was uns bisher lieb und teuer scheint, in Frage stellen und verändern müssen, wenn wir unsere großzügige Museumslandschaft bewahren wollen.“ Dabei wird er nicht zuletzt den in den Bundesländern zunehmenden Druck auf ertragreichere Vermarktung und Eigenfinanzierung der Kulturinstitutionen im Sinn gehabt haben. Mit dem Humboldt–Forum kommt in Berlin eine Aufgabe auf ihn zu, die das tradierte Gefüge der Staatlichen Museen erheblich verändern wird. Da wird es nicht mehr nur um die klassischen Museumsaufgaben des „Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Ausstellens“ gehen, sondern um einen fachübergreifenden, politisch akzentuierten Dialog der Weltkulturen. Als ausgewiesener Museumsmann bildet er künftig den kongenialen Partner für den designierten Stiftungspräsidenten Parzinger.

Udo Kittelmann hingegen steht für die Betonung der zeitgenössischen Kunst. Als Leiter des Frankfurter Museums für Moderne meisterte er bravourös die schwierigen Zeiten nach dem Abzug einer wichtigen Sammlung aus Privatbesitz. Mit Neupräsentation und entschlossener Lückenschließung hat sich Kittelmann bundesweit profiliert. Wo immer zuletzt eine Position im Bereich der Moderne zu besetzen war, wurde sein Name gehandelt. Der 49-jährige Düsseldorfer ist ein Seiteneinsteiger – als gelernter Augenoptiker hat er die Kunst stets von der Praxis als Ausstellungsmacher her betrachtet. 2001 errang er als deutscher Kommissar für die Biennale von Venedig den „Goldenen Löwen“ für den besten nationalen Beitrag. Im Jahr darauf ging er ans Frankfurter Museum. In Berlin wartet auf ihn sie schwierige Aufgabe, die immer weiter auseinanderdriftenden Häuser der Nationalgalerie – die Alte Nationalgalerie fürs 19. Jahrhundert, die Neue Nationalgalerie fürs 20. und den Hamburger Bahnhof für die zeitgenössische Kunst – konzeptionell neu zu fassen und womöglich auch neu zu ordnen, hinterlässt Schuster seinem Nachfolger doch den kühnen Plan, die Gemäldegalerie am Kulturforum dem 20. Jahrhundert zuzuschlagen und den Mies-van-der-Rohe- Bau an der Potsdamer Straße als reine Ausstellungshalle zu bespielen.

Ob Eissenhauer diese Planung weiterverfolgen will? Gestern war er dazu nicht zu befragen; er befindet sich „auf Dienstreise“. So kann er entspannt der Berufung durch den Stiftungsrat entgegensehen. Dort führt Staatsminister Neumann den Vorsitz, ein Freund kraftvoller Entscheidungen. Die neue Führungsmannschaft von Stiftung und Staatlichen Museen ist gefunden. Ernennung folgt.

Michael Eissenhauer (50) hat Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Deutsche Literaturwissenschaften in Hamburg und Tübingen studiert. Seit 2001 leitet er die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, seit 2003 amtiert er als Präsident des Deutschen Museumsbundes. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

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