• Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim: Von der Verfertigung des Gedankens beim Spielen

Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim : Von der Verfertigung des Gedankens beim Spielen

Nachdenklich, voller Spannung und faszinierender Vielfalt: Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim spielen Bruckner und Mozart.

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Daniel Barenboim bei einem Konzert zu Ehren von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2015.
Daniel Barenboim bei einem Konzert zu Ehren von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2015.Foto: dpa

„Symfonie in d-Moll, wo die Trompete das Thema beginnt“: Anton Bruckner war nach Bayreuth gereist und fragte nun Richard Wagner, den „erhabenen Meister der Dicht- und Tonkunst“, in dieser schriftlichen Form, ob dies das Werk sei, das er ihm widmen dürfe. Von da an war die Dritte die „Wagner-Symphonie“, ursprünglich die längste Bruckner-Symphonie überhaupt. Schon in die erste Fassung, die im Musikleben des 20. Jahrhunderts zu neuen Ehren gelangt ist, hat der Komponist die Änderungen zu seiner zweiten Fassung eingetragen. Man hat von einem „Läuterungsprozess“ gesprochen, aus dem die bekannteste Fassung von 1877 hervorgegangen ist.

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim widmen sich dem Werk in dieser Form. Da sie mit ihrem großen kompletten Bruckner-Zyklus durch die Kontinente reisen, so zum Beispiel 2016 in der Suntory Hall „der klassischen Musikgeschichte Japans“ einen historischen Meilenstein beschert haben, ist die Aufführung der Dritten in der Berliner Philharmonie ein dankbares Heimspiel.

Eine Huldigung des Mischklangs

Der Maestro erfreut sich seiner Einheit mit dem Orchester, der Klangkomposition, der romantischen Feierlichkeit des Augenblicks im Adagio, der zarten Ausklänge. Es ist ein anderes Bruckner-Bild, als es vor Kurzem Ingo Metzmacher mit der Schlüssigkeit seiner Vierten beim Deutschen Symphonie-Orchester so differenzierte, dass jede Stimme zählt. Barenboims Dritte huldigt dem Mischklang, dem Misterioso, auch Charakteren wie dem Walzer, bis mit triumphaler Selbstverständlichkeit das Trompetenmotiv des ersten Satzes wiederkehrt.

Mehr als sein Bruckner überrascht an diesem Abend das Mozart-Spiel des Pianisten Daniel Barenboim. Schon die Einleitung des „Krönungskonzerts“ KV 537, die er vom Klavier aus dirigiert, verrät seine Konzentration auf die Ganzheit der Partitur. Dem Solopart, der als festlich- prunkvoll gilt, verleiht er eine erstaunliche Nachdenklichkeit, eine neue Innenspannung Note für Note. Daniel Barenboims Interpretation scheint ihre Gedanken wie eine schöne menschliche Rede zu verfertigen. Denn von faszinierender Vielfalt sind die Nuancen ihrer Betonung.

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