Staatsoper : Auf die Palme

Unbeschwert im besten Sinne gerät die Premiere von Gaetano Donizettis „Viva la Mamma“ mit dem Opernstudio-Nachwuchs im Magazin der Staatsoper Unter den Linden.

Christiane Tewinkel

Kurz ist dieser Abend, heiter und hübsch. Schließlich legt schon die backstage comedy „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ von 1827, aus der nach mehreren Bearbeitungen „Viva la Mamma“ wurde, es darauf an, dem Publikum in jeder Hinsicht wohlzutun.

„Mamma“ übrigens wegen der empört anreisenden Mutter der Seconda Donna, die für ihre Tochter mehr Auftritte wünscht und bald selbst Teil des chaotischen Ensembles wird. Viktor Rud als Mamma Agata im hellen Tweedkostüm hält seine Handtasche fest wie Jack Lemmon in „Manche mögen’s heiß“ und setzt seinen beweglichen Bariton virtuos für die mütterlichen Wünsche ans Orchester ein, für ihre Überforderung und all die ironischen Finessen, die eingebaut sind.

Denn nicht nur als Komponist war Donizetti tätig, nicht allein die Triller- und Verzierungswut, die herzhaften Registerklimmzüge seiner Opern-Zeit hat er dem Stück eingeschrieben. Er hat sich auch selbst sein Libretto zurechtgeschnitten, damit das Geschäft auf allen Ebenen freundlich verlacht werden kann: Die Strippenzieher im Hintergrund gehören dazu – Oliver Weidinger lässt den Impresario sonor leuchtende Machtworte sprechen. Das Gezicke der Primadonna wird vorgeführt (Evelin Novak mit strahlendem Biss in der Stimme) und das Hudeln ihres Ehemannes mit übergeworfenem Pullover, der stets um seiner „Frau Gemahlin“ Ruhmvermehrung bemüht ist. Sebastian Noacks Sprechstimme dürfte zwar besser sitzen, doch spielt er diesen Procolo mit heiterer Glaubwürdigkeit.

Der Maestro am Cembalo versucht, dem Ensemble Richtung zu geben (Fernando Javier Radó, mit einem Bassbariton, der schier größer ist als er selbst). Und die kleineren Darsteller sind eingeschnappt: Silvia de la Muela als Musico, der die Produktion wutentbrannt verlässt, weiß nicht immer die darstellerische Distanz zur Totalklamotte, zum Provinztheaterduktus zu wahren. Die Mitglieder der Staatskapelle und deren Orchesterakademie spielen unter Neville Dove hinreißend leicht und geschlossen.

Regisseur Hinrich Horstkotte findet im offenen Raum des Magazins ideale Bedingungen vor, sowohl für die Sänger auf dem Weg zur großen Bühne – die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung fördert die Produktion – als auch fürs Lavieren zwischen den temporeich inszenierten Diskussionen über das Wie und Wohin der Operntruppe und den Szenen, die sie probieren will. Zu echten Furien werden Horstkottes Frauen trotz aller Catfights zwar nie. Doch lustig bleibt es allemal. Mit einer Kuh statt Zeus, einer Palme statt der Weltesche soll das Ensemble am Schluss zurechtkommen. Kein Wunder, dass es sich verdünnisiert, als auch noch die Geldgeber streiken: Stellt euch vor, heißt es im Programmheft, es ist Oper und keiner geht hin.

Wieder am 28., 29., 30. Juni

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