Staatsoper : Avanti dilettanti

FDP-Fraktionschef Martin Lindner wurde richtig wütend: Warum haben die SPD und die Linke eine Aktuelle Stunde des Abgeordnetenhauses zur Staatsopern-Sanierung beantragt, wollte er wissen, wenn sie weder Willens noch in der Lage sind, sich in dieser brennenden Frage zu positionieren?

Frederik Hanssen

Die CDU hat sich frühzeitig für die Erhaltung der historisierenden Dekorationen aus den fünfziger Jahren ausgesprochen, Grüne und FDP dagegen votieren für den Entwurf des Architekten Klaus Roth, der eine neue, moderne Saalausstattung vorsieht.

Die rot-rote Koalition dagegen ist und bleibt zerrissen. Brigitte Lange, die kulturpolitische Sprecherin der SPD, beschränkte sich am Donnerstag darauf, für ihre kulturfernen Parlamentarierkollegen die Sachlage zu referieren, PDS- Mann Wolfgang Brauer betonte, die Debatte würde „real relativ wenige Berliner tangieren“. Christoph Meyer von der FDP sah darin den Versuch von SPD und Linke, dem Senat einen „Blankoscheck“ auszustellen und sich um eine interne Kampfabstimmung zu drücken, Alice Ströver von den Grünen sprach von einer „Alibidebatte, die konsequenzlos bleibt“ und rief in Richtung Koalition: Avanti dilettanti!

Und Klaus Wowereit? Der Regierende Bürgermeister beantwortete bereitwillig die Frage, wo er denn in dieser Debatte stehe: „Mitten im Schussfeld, und zwar ganz egal, wie die Entscheidung am Ende ausfällt.“ Ganz im Ernst schmetterte er dann den vielfach von der Opposition geäußerten Wunsch ab, als Abgeordnetenhaus über die Sanierung des Opernhauses mit abstimmen zu können. Es handele sich hier erstens um eine Aufgabe der Exekutive, für die der Senat letztlich die volle politische Verantwortung tragen müsse. Und zweitens um ein Vergabeverfahren, das nach juristisch einklagbaren Regeln abzulaufen habe. Weshalb er sich selbstverständlich überhaupt nicht zu seinen privaten geschmacklichen Vorlieben äußern werde. Sicher sei nur, dass sowohl der Bund als Hauptgeldgeber als auch der Freundeskreis der Staatsoper in den Entscheidungsprozess einbezogen werden müssten.

Wie dem auch sei, Klaus Wowereit will die Sache auf jeden Fall „zügig“ zu Ende bringen, sobald er dank weiterer Gutachterstimmen und Visualisierungen die nötige Klarheit habe, wie die Entwürfe denn nun tatsächlich aussehen und klingen werden. Frederik Hanssen

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