Staatsoper : Ding der Unmöglichkeit

Das Zuschauerhaus der Berliner Staatsoper: Eine Ausstellung zeigt alle Entwürfe zum 240 Millionen Euro teuren Umbau.

Frederik Hanssen
Lindenoper
Der zweitplatzierte Entwurf von HPP, Düsseldorf. -Foto: HPP

Sollte es Klaus Wowereit tatsächlich ernst meinen, dann muss er seit gestern Fan des Architekten Klaus Roth und seines modernen Staatsopern-Saals sein: Wenn der Bund schon 240 Millionen Euro für die Sanierung des Traditionshauses ausgebe, so hat es der Regierende Kultursenator jüngst postuliert, dann solle der Bürger auch etwas davon sehen. Roths Entwurf, der ihm beim Wettbewerb für das Zuschauerhaus der Staatsoper den 1. Preis der Jury einbrachte, öffnet den Besuchern nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen: Die beklagten Sicht- und Akustikprobleme Unter den Linden wären Vergangenheit.

Will Wowereit aber die „historische“ Optik erhalten, die Richard Paulick 1951 erfunden hat, dann kann er viele Millionen sparen, indem er nur das Bühnenhaus nach heutigen Bedürfnissen erneuert, den Saal aber unangetastet lässt, mit all seinen Mängeln.

Einen goldenen Mittelweg nämlich gibt es nicht. Das zeigt jetzt eine Ausstellung in der Attrappe der Schinkelschen Bauakademie beim Außenministerium, in der die Senatsbauverwaltung alle acht Wettbewerbsfinalisten präsentiert. Man sieht: Auch jene Büros, die sich an Paulick orientieren, würden den Saal weitgehend abreißen müssen, um ihre doppelt historisierenden Inszenierungen realisieren zu können. Der Entwurf von HPP aus Düsseldorf, für den sich Kulturstaatssekretär André Schmitz bei der Vernissage aussprach, ist für den Laien kaum vom Status quo zu unterscheiden. Die Decke wird um 80 Zentimeter angehoben, die Stuckrosette aber bekommt ein Gitternetz, durch das der Schall in den oberen Hohlraum gelangt. Mit versteckten Leuchtdioden sollen Lichtstimmungswechsel möglich sein. Die sichtbehindernden Proszeniumslogen rechts und links vom Orchestergraben werden 80 Zentimeter zurückversetzt und erhalten als einzige sichtbare Neuerung drei statt bisher zwei Ebenen. Das Parkett steigt nur sehr leicht an, im Rang gibt es hinten Steh-Sitzplätze nach Barhocker-Art. An den Brüstungen bleiben die Dekorationselemente erhalten, aber auch die provisorisch wirkenden, sichtbar angeschraubten Scheinwerfer.

Gerkan, Marg und Partner, die Drittplatzierten, heben die Decke zur Akustikverbesserung deutlich an und erfinden eine Galerie mit umlaufender Säulenreihe. Das Proszenium fällt ganz weg, ebenso die Stuckaturen im elfenbeinfarben gehaltenen Saal. Nur die Decke bekommt als Zitat den alten Lüster samt Paulick-Rosette. Obwohl das Parkett hier stark ansteigt, wird der Saales weiterhin über die ebenerdige Eingangshalle erschlossen.

Richtig erschrecken kann man die Traditionalisten mit dem Vorschlag von Kleihues und Kleihues, einer kalten, modernen, schmucklosen, sterilen Halle. 1:0 für Klaus Roth. Frederik Hanssen

Bauakademie, bis 19. 6., tägl. 12 – 19 Uhr. Siehe auch: Mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle in Buenos Aires, Seite 26.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben