• Staatsoper: Entscheidung fällt bis 17. Juli Wowereit will Klarheit vor der Sommerpause

Kultur : Staatsoper: Entscheidung fällt bis 17. Juli Wowereit will Klarheit vor der Sommerpause

Frederik Hanssen

Im Streit um die Sanierung der Berliner Staatsoper ist ein Ende abzusehen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit startet am 18. Juli in seinen gut dreiwöchigen Sommerurlaub und will sich bis zu diesem Tag entscheiden, ob der 1955 von Richard Paulick geschaffene Saal erhalten bleibt oder der moderne Siegerentwurf des Architekten Klaus Roth realisiert wird. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (siehe S. 6) tut weiterhin alles, um dem von ihr favorisierten Roth den Zuschlag als Generalplaner des 241-Millionen-Euro-Projekts zu sichern. So hat sie beispielsweise für ein von Wowereit gefordertes Zweitgutachten zur Akustik denselben Fachmann beauftragt, der sich bereits in der ersten Runde für Roth ausgesprochen hatte. Andererseits wird im Senat jetzt auch die Möglichkeit diskutiert, ob man das umstrittene Vergabeverfahren nicht ganz abbläst und lediglich eine „Pinselsanierung“ des Saals durchführt: Dabei bliebe Paulicks Rokoko-Dekoration unangetastet, und es würden lediglich handwerkliche Tricks zur Akustikverbesserung wie die Aushärtung der jetzt mit schallschluckendem Stoff bespannten Wände angewandt.

Unterdessen treffen weiterhin täglich neue Reaktionen ein: Die Fachzeitschrift „Theater der Zeit“ publiziert unter dem Motto „Sanieren oder demolieren?“ ein reich bebildertes Sonderheft, der Landesdenkmalrat spricht sich für Paulick aus und fordert den Senat gleichzeitig auf, Berlins Opernszene endlich so zu strukturieren, dass die Häuser mit einem Repertoire bespielt werden, welches ihrer Architektur und Innenraumgestaltung angemessen sei.

Die Theatergemeinde Berlin wiederum, die für 13 000 Mitglieder spricht, setzt sich für Klaus Roth ein, denn „aus 45-jähriger Erfahrung als Mittler zwischen Publikum und Theater weiß die Theatergemeinde um die Wichtigkeit einwandfreier Akustik und optimaler Sichtverhältnisse“. Der Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper schließlich präsentiert eine „Forsa“-Umfrage unter 1000 Befragten in Berlin, derzufolge 86 Prozent für einen historischen Zuschauerraum Unter den Linden sind. Erstaunlich ist angesichts der so intensiv in allen Medien geführten Debatte allerdings, dass lediglich 51 Prozent der Befragten angeben, „in letzter Zeit irgendetwas über die Staatsoper gehört oder gelesen zu haben“. Frederik Hanssen

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