Staatsoper : Sanieren und Sparen

Die Berliner Gelder für den Umbau der Staatsoper sind vorläufig gesperrt. Kein Grund zur Panik.

Christiane Peitz
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Lindenoper. Wenn sie erst Baustelle ist, wird hoffentlich mehr gespendet. -Foto: Thilo Rückeis

Am Montag steht im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses die Oper auf der Tagesordnung: Die „Aktuelle Viertelstunde“ ist dem „Wirtschaftsplan Stiftung Oper“ gewidmet. Gibt es etwa Zoff um die Sanierung der Staatsoper? Keine Sorge, heißt es aus den zuständigen Behörden, sie wird saniert, trotz der vorläufigen Sperre der Gelder, die SPD und Linksfraktion am 6. Oktober im Bauausschuss erwirkt haben. Und trotz der Erkenntnis, dass der Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper den einst vom Vorsitzenden Peter Dussmann genannten Spendenbetrag in Höhe von 30 Millionen Euro wohl kaum vollständig aufbringen wird.

239 Millionen Euro soll die Sanierung kosten. 200 Millionen Euro kommen vom Bund, den Rest finanzieren die Spender – und Berlin. Wie genau sich dieser Rest verteilen wird, ist noch unklar. Evelyn Fischer, seit September Geschäftsführerin des Vereins der Freunde, ist froh, dass endlich über die seit Jahren in den Medien kursierende Summe von 30 Millionen Euro geredet wird. Dussmann hatte sie 2005 bei der Erstellung des vom Verein finanzierten Sanierungsgutachtens ins Spiel gebracht. „Heute eine so hohe Summe zu nennen, ist kontraproduktiv“, sagte Fischer dem Tagesspiegel, „denn sie schreckt alle ab, die kleinere Beträge spenden wollen.“

Auch in der Lindenoper ist man nicht besorgt um die Sanierung, die bis 2013 abgeschlossen sein soll. Die sogenannte qualifizierte Haushaltssperre dient der parlamentarischen Kostenkontrolle – der Projektfonds „Kulturelle Bildung“ war 2008 mit einer ähnlichen Sperre belegt. Sie bedeutet, dass die für die Vorbereitung und den Beginn der Baumaßnahmen in den Haushalt 2010/11 eingestellten Mittel erst dann freigegeben werden, wenn Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer eine genaue Kostenaufstellung vorlegt. Die Arbeit daran ist bereits weit fortgeschritten. Auch die rot-roten Koalitionäre hatten betont, dass sie die Sanierung nicht generell infrage stellen, so Ralf Hillenberg von der SPD. Es solle nur geprüft werden, „ob jede einzelne Maßnahme zwingend notwendig ist“.

Mit anderen Worten: Das Land befürchtet, dass die Summe, die Berlin für die Staatsoper ausgeben muss, höher sein könnte als zunächst angenommen. Es gibt keinen Vertrag des Senats mit dem Verein; die Förderer sind zu nichts verpflichtet. Je weniger Spenden, desto mehr Landesmittel sind also zum Ausgleich nötig. Denn für weniger als 239 Millionen Euro dürfte die Sanierung kaum zu machen sein, sie ist bereits knapp kalkuliert. Man kann ja nicht einfach den Zuschauersaal billig sanieren oder die giftigen Teerkohlenwasserstoffe nur zur Hälfte beseitigen oder die geplanten unterirdischen Räumlichkeiten wieder streichen. Dort sollen Kulissen nicht nur gelagert, sondern auch montiert werden – das spart Transport- sprich: Betriebskosten.

Bisher hat der Verein zwei Millionen Euro gesammelt. Evelyn Fischer geht davon aus, dass das Spendenaufkommen sich erhöhen wird, wenn die Lindenoper im Herbst 2010 ihr Interimsquartier im Schiller-Theater bezogen hat und der Knobelsdorff-Bau eine weithin sichtbare Baustelle ist. „Wir hoffen, dass dann die Berliner insgesamt die Staatsopern-Sanierung zu ihrer Sache machen,“ sagt Fischer. Dafür will der Verein nach Kräften werben. Dass auch der neue Intendant Jürgen Flimm die Werbetrommel in eigener Sache zu schlagen versteht, dürfte die Haushälter beruhigen. Christiane Peitz

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