Kultur : Stadt, Haus, Fluss

Das Hochwasser hat zahlreiche Baudenkmäler beschädigt. Für ein Resümee ist es noch zu früh

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Von Michael Zajonz

Die gute Nachricht zuerst. Akut bedroht ist derzeit keines der mit den Fundamenten und Kellergeschossen im Wasser stehenden Baudenkmäler im historischen Zentrum Dresdens. Sicher war in den letzten Tagen einiges vom angeblich so porösen Elbsandstein, dem Hauptmaterial dortiger Fassaden und Skulpturen, zu hören, von Wänden, die sich Schwämmen gleich mit Elbwasser vollsaugen. Wie lange kann so etwas halten, ehe das ermüdete Material nachgibt?

Tatsächlich unterscheiden sich die grau-gelblichen Steine, die seit Jahrhunderten im Elbsandsteingebirge abgebaut werden, in Festigkeit und Verwitterungsbeständigkeit erheblich voneinander. Die Qualitäten aus den Postaer Lagerstätten wurden aufgrund ihrer Dichte besonders gern für Wandverkleidungen verwendet, wohingegen der weichere Cottaer Stein bevorzugtes Material der Bildhauer ist. Letzterer ist wegen seiner tonigen Bestandteile auch empfindlich gegen Feuchtigkeit.

Zwar hat es am Zwinger bereits eine erste Ortsbesichtigung von Experten des Staatlichen Hochbauamts gegeben. Auch laufen die Pumpen in den Kellern der Gemäldegalerie wieder. Doch eine qualifizierte Beobachtung der Langzeitschäden, die durch gespeicherte Feuchtigkeit, Ausblühungen von Salzen und das Abplatzen äußerer Gesteinsschichten drohen, dürfte Monate in Anspruch nehmen. Erst einmal müssen die vollgelaufenen Keller vollständig ausgepumpt sein. Dann wird man auch sehen, ob die vier Großformate, die bei der dramatischen Rettungsaktion von über 4000 deponierten Gemälden am Dienstag in den Substruktionen der Sempergalerie zurückgelassen werden mussten, restaurierbar sind. Sie passten nicht durchs Treppenhaus und mussten kurzerhand unter die Decke gehängt werden.

Besonders empfindliches bewegliches Kunstgut in Kirchen, aber auch Immobiles wie Wandmalereien stehen derzeit auf der Dringlichkeitsagenda des sächsischen Landesamts für Denkmalpflege an erster Stelle. Der vor zwei Jahren restaurierte „Mirakelmann“, ein spätgotisches Kruzifix aus der Stadtkirche von Döbeln, konnte bereits zur weiteren restauratorischen Untersuchung nach Dresden geschafft werden. Das farbig gefasste Schnitzwerk, das auf dem Höhepunkt des Muldehochwassers in der Kirche umherschwamm, hat seine unfreiwillige Reise erstaunlich gut überstanden.

Auch die Mitarbeiter des Landesamts stehen derzeit ohne Behausung, Akten und Fuhrpark da. Ein provisorischer Umzug aus dem gefluteten Ständehaus an der Brühlschen Terrasse ins rechtselbische Innenministerium scheiterte am Freitag an den gesperrten Brücken. Der kommissarische Landeskonservator Michael Kirsten und seine Mitarbeiter betreiben die Schadenserfassung derzeit von den heimischen Schreibtischen aus – sofern diese noch nutzbar sind. Nicht nur deshalb wird ein erster grober Überblick kaum vor Mitte nächster Woche möglich sein. Denn etliche Orte sind von Dresden aus noch immer nicht erreichbar.

So hat Kirsten zusammen mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Restauratorenverband eine Soforthilfe für sächsische Denkmäler in Not begründet. Je 250 000 Euro stellt die Stiftung unbürokratisch für Notmaßnahmen an Zwinger und Semperoper bereit. Über die Höhe vergleichbarer Fonds für die Städte Grimma und Pirna wird Anfang nächster Woche entschieden.

Die Mobilisierung weiterer privater Mittel scheint dringend geboten, sind die öffentlichen Haushaltsmittel für Denkmalpflege in den letzten Jahren in allen neuen Bundesländern reduziert worden. Zudem ist die Förderungs- und Vergabestruktur auch in Sachsen so unübersichtlich geworden, dass selbst der Landeskonservator keine konkrete Summe nennen mag. In einem Punkt ist sich Kirsten allerdings sicher: „Das Landesdenkmalamt wird weiter bemüht sein, Drittmittel einzuwerben. Denn in der Prioritätenliste der sächsischen Staatsregierung stehen wir nicht an vorderer Stelle.“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat unter dem Stichwort „Hochwasserschäden“ ein Sonderkonto eingerichtet:Commerzbank Bonn,BLZ 380 400 07, Kto.-Nr. 55 555 52, Aktionsnummer 124 124. Weitere Informationen unter: www.denkmalschutz.de

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