Kultur : "Stadtansichten Berlin": Nippes fürs Fensterbrett

Nicholas Körber

Ein bisschen sieht es aus, wie in einer Fremdenverkehrszentrale. Da gibt es die Quadriga und den Potsdamer Platz mal pointillistisch, mal kubistisch, mal expressionistisch. Wären die Gemälde nicht alle zwei Meter breit, würde man gerne eine Briefmarke auf die Rückseite kleben und als Postkarte an die Lieben daheim schicken. Die Reihe "Stadtansichten Berlin" des Malers Jürgen Wölk eignet sich für eine touristische PR-Kampagne. Ist das postmoderne Ironie? Eine Kunst, die sich in der Wahl ihrer Motive bewusst den Erwartungen anpasst und sie affirmativ überhöht? Oder nur gut gemachte, mit den Codes der künstlerischen Moderne spielende Gebrauchsgrafik?

Dieses Rätsel gibt auch der bei Hoffmann Arts gemeinsam mit Wölk ausstellende Bildhauer Stefan Bassir dem Betrachter auf. Seine Kleinbronzen bewegen sich irgendwo zwischen ironisierter Moderne und Nippes fürs Fensterbrett. Seine langgestreckte "Kleine Frau" wirkt mit ihren riesigen Füßen wie eine Karikatur der überschlanken Figuren von Alberto Giacometti. "Capricciosa", ein mit Pin-up-Grazie posierender kubistischer Akt scheint sich über Picasso lustig zu machen. Die Motive richten sich, ähnlich wie bei Wölk, so demonstrativ am Massengeschmack aus, dass es fast wieder wie absichtliche Banalität wirkt. Die Figur eines eilig gehenden Mannes mit Mantel und Hut ist ein typisches Biedermeiermotiv: restlos bürgerlich und veraltet. So dekorativ, so amüsant und so vordergründig, dass man gerne glauben und hoffen möchte, dem Ganzen läge doch ein tieferer und böserer Sinn zu Grunde.

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