Kultur : Stadtmuseum Berlin: Eishauch der Unmöglichkeit

Nicola Kuhn

Trotz des sonnigen Frühlingswetters dürften die Mitglieder des Kulturausschusses im Abgeordetenhauses leicht gefröstelt haben, als es um die Zukunft der Stiftung Stadtmuseum ging. "Man verspürt den Eishauch der Unmöglichkeit", formulierte es poetisch Kultursenator Christoph Stölzl. Mag sein, dass man deshalb die Sache lieber noch im Ungefähren ließ und auf eine verbesserte Version des Masterplans im September wartet, wenn es auch draußen wieder kalt wird. Denn so wie sich Generaldirektor Reiner Güntzer die Zukunft der vor sechs Jahren gegründeten Stiftung vorstellt, wird es wohl kaum laufen. Eigentlich aufgefordert einen Lösungsvorschlag zu machen, wie in Zukunft die im jüngsten Haushalt aufgelaufenen Defizite von zwei Millionen Mark zu beheben seien, hatte nun eine Vision entwickelt, die bei Realisierung genau umgekehrt eine Erhöhung des Jahresetats um etwa die Hälfte auf 8,3 Millionen Mark sowie Baukosten in Höhe von 150 Millionen in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren verursachen würde. Seinen bemerkenswerten ersten Vorstoß begründete Güntzer damit, dass er schließlich nicht aufgefordert worden sei, Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen, sondern einen Masterplan vorlegen sollte.

Nachdem vom Stiftungsrat des Stadtmuseums, der den Plan schon vorher zur Begutachtung bekommen hatte, bereits Nachbesserungen unter Berücksichtigung der allgemein desolaten Haushaltslage gefordert wurden, reagierten die Mitglieder des Kulturausschusses nur noch punktuell: warnten hier vor der Schließung der Domäne Dahlem, stellten da die Aufgabe des Sportmuseums in Frage. Einzig die PDS redete sich darüber in Rage, dass Berlin hier sein wichtigstes Museum verhungern lasse und nun dem halbtoten Patienten als Heilmittel auch noch weiteren Brotentzug verordnen wolle. Doch an einer stärkeren Konzentration der selbst nach Ausgliederung der Jüdischen Sammlung noch immer 15 Einzelmuseen umfassenden Stiftung wird man kaum vorbei kommen; das machte auch Kultursenator Stölzl deutlich. Die Rettung der diversen Standorte sei zwar 1989/90 noch sinnvoll gewesen, doch mittlerweile erscheine "bizarr", was an irgendwelchen Möbelsammlungen ständig dezentral bereitgehalten werde.

Das würde zugleich eine Stärkung des Haupthauses bedeuten, genauer: des Märkischen Museums, für das als Erweiterungsfläche bereits das benachbarte Köllnischen Gymnasium ins Auge gefasst ist, in das allerdings erst vor vier Jahren und nach immensen Umbaukosten, wie gestern zu Bedenken gegeben wurde, die Musik- und Ballettschule Fanny Hensel eingezogen ist. Gleichzeitig wird man weiter darüber nachdenken müssen, ob nicht statt fünf sogar sieben Dependancen des Stadtmuseums ausgegliedert werden können, um weitere Mittel einzusparen. Zur Debatte stehen neben der Domäne Dahlem und dem Sportmuseum das Schloss Friedrichsfelde, das Museum Kindheit und Jugend in der Wallstraße sowie die Naturwissenschaftlichen Sammlungen in der Schlossstraße. Die Abgabe der Sammlung Industrielle Gestaltung an das Deutsche Historische Museum ist beschlossene Sache, die Übernahme des Grünauer Wassersportmuseums durch den Bezirk Treptow-Köpenick auf dem Wege, die Auflösung der eigenen Bibliothek in der Prüfung.

Ob Reiner Güntzer bis zum Herbst tatsächlich die Quadratur des Kreises gelingt und er seinen Masterplan so weit modifizeren kann, dass dieser er sowohl Einsparungen vorsieht als auch neue Zukunftsperspektiven bereit hält, darf bezweifelt werden. Schon bei der Gründung der Stiftung sei ein wichtiger Geburtsfehler unterlaufen, so der Kulturausschuss druchaus selbstkritisch,da viel zu wenig Geld bereit gestellt wurde bei gleichzeitig überhöhten Personalkosten. Diese Suppe hat sich der heutige Generaldirektor allerdings selber eingebrockt: Er stand damals auf Senatsseite als Fachreferent an der Wiege des jüngsten Berliner Museumsnachwuchs.

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