Stadtschloss : Winde und Wogen

Beim Architekturwettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums zeichnen sich große Probleme bei der Umsetzung der Wettbewerbsvorgaben ab. Vor allem die Gestaltung der Kuppel und der Agora ist noch nicht gelungen.

Sabine Beikler,Nicola Kuhn

BerlinDer Countdown für die Jurysitzung zum Bau des Humboldtforums gewinnt an Spannung. Am Freitag soll die Entscheidung fallen, wer diese wohl bedeutendste Bauaufgabe der Bundesrepublik zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausführen darf. Nachdem sich einige Fachpreisrichter zunehmend kritisch zu den Rahmenbedingungen des Architektenwettbewerbs geäußert haben, melden sich jetzt auch als Beobachter ins Gremium entsandte Bundestagsabgeordnete skeptisch zu Wort. "Die bisherigen Entwürfe waren noch nicht überzeugend. Vor allem die Frage der Agora als Anziehungsort konnte nicht befriedigend gelöst werden", erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland dem Tagesspiegel.

In dem streng anonymen Verfahren mit 30 ausgewählten Architekten zeichnen sich offenbar große Probleme bei der Umsetzung der Wettbewerbsvorgaben ab. Vor allem die Gestaltung der Kuppel und der Agora als "Ort der Begegnung" und zugleich "als bespielbarer Raum und Verknüpfungspunkt in qualitätvoller Architektursprache", wie es in der Ausschreibung heißt, ist nach Meinung von Beobachtern noch nicht gelungen. Nicht überzeugen konnten bisher etwa Entwürfe, die als Kuppel eine Art offene Konzertmuschel darstellen oder "Aufsätze", wie ein Jurybeobachter erzählt, "in Form eines Windrads".

 Unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs aber fordern die Haushaltspolitiker im Bund das Bundesbauministerium auf, ein aktualisiertes Finanzierungskonzept vorzulegen. "Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Kostenobergrenze für den Steuerzahler eingehalten wird", sagte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), dem Tagesspiegel. "Eine Überschreitung der bisher kalkulierten Kosten müsste Tiefensee selber erwirtschaften." Außerdem fordert er den Bundesbauminister dazu auf, den Haushaltsausschuss "sehr aktuell und präzise" über die Finanzierungspläne zu informieren. Gerade der Förderverein müsse ein starkes Interesse daran haben, dass die Finanzierung dieses Projektes nicht gefährdet wird. "Dieses wichtige Projekt, das der Bundestag beschlossen hat, darf nicht zu einer Provinzposse verkommen", sagte Fricke. Auch Steffen Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, erwartet "zeitnah" ein Finanzierungskonzept von SPD-Bauminister Tiefensee.

Auch die Fachpreisrichter geraten unter Druck

Der Haushaltsausschuss hat für den Bau des Humboldt-Forums eine Obergrenze von 552 Millionen Euro festgesetzt. Darin enthalten sind Baukosten in Höhe von 480 Millionen Euro und Ausgaben für die Erstausstattung des Gebäudes von 72 Millionen Euro. Von den 552 Millionen Euro entfällt ein Anteil von 32 Millionen Euro auf das Land Berlin, 80 Millionen Euro sollen aus Spenden für den Wiederaufbau der historischen Fassaden zur Verfügung gestellt werden.

Durch die in den letzten Tagen immer hitziger geführte Debatte um die vom Bundestag beschlossene Rekonstruktion der drei Barockfassaden geraten zunehmend auch die Fachpreisrichter unter Druck. Gesine Weinmiller, die in der vergangenen Woche mit dem Satz zitiert worden war "Wer als Architekt nicht für einen modernen Neubau an dieser Stelle ist, verrät seinen Beruf", stellt sich auf Nachfrage wieder voll hinter die im Wettbewerb ausgeschriebenen Vorgaben: "Ansonsten hätte ich mich nicht ins Preisgericht berufen lassen." Für sie habe sich die Diskussion durch die Bundestagsentscheidung zugunsten einer Rekonstruktion bereits erledigt, versucht sie die Wogen zu glätten. Anders sieht es ihr Kollege Peter Zlonicky. Dem Tagesspiegel sagte er, er setze nun auf die "Empfehlung" der Jury in Verbindung mit dem gekürten Siegerentwurf. Darin sollte die bisherige Debatte und der damit verbundene "Lernprozess" ihren Niederschlag finden, was wiederum einer Öffnung des Wettbewerbsbedingungen gleichkommen könnte.

Auch HG Merz bedauert als Fachjuror erneut das "enge Korsett" des Wettbewerbs, da die Rekonstruktionsvorgaben den Architekten kaum Interpretationsmöglichkeiten bei der Fassade ließen. Als unbefriedigend bezeichnete er außerdem die vagen Angaben zur künftigen Nutzung des Humboldtforums, schränkte jedoch gleichzeitig wieder ein: "Aber das ist bei den meisten Museen so, dass zunächst die äußere Form gesucht wird und erst hinterher die Inhalte geklärt werden."

Die Zukunft werde zeigen, wie sich der Entwurf am Ende tatsächlich realisieren lässt. Die möglichen Änderungsvorschläge gehörten zum üblichen Prozess zwischen dem Bauherrn und seinem Architekten. Jetzt, kurz vor der entscheidenden Bewertung, könnten die Preisrichter allerdings nicht mehr die Bedingungen ändern.

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