• Stammzellen: Die Stammzellenforschung ist überall geregelt - aber höchst unterschiedlich

Kultur : Stammzellen: Die Stammzellenforschung ist überall geregelt - aber höchst unterschiedlich

In den USA ist die Forschung an embryonalen Stammzellen bereits seit Jahren geläufige Praxis und die Gentechniker stellen ihren Kollegen in aller Welt Stammzellen zur Verfügung. Gleichwohl sind diese Forschungen auch in den USA ethisch heftig umstritten. Die Debatten der vergangenen Monate in den USA konzentrierten sich aber nicht darauf, ob diese wissenschaftlichen Forschungen verboten werden sollten, sondern lediglich auf die Frage der staatlichen Förderung. Präsident George W. Bush entschied sich im vergangenen August dafür, dass zwar staatliche Fördermittel für diese Experimente zur Verfügung gestellt werden, allerdings mit strengen Auflagen. So wird nur die Forschung an bereits vorhandenen Stammzelllinien gefördert, nicht die Entwicklung neuer Linien. Grund für diese Entscheidung ist, dass bei der Gewinnung neuer Linien Embryonen vernichtet werden.

In Österreich ist die Forschung an embryonalen Stammzellen verboten. Im so genannten "Fortpflanzungsmedizingesetz" von 1992 ist festgelegt, dass entwicklungsfähige Zellen ausschließlich für die medizinische Fortpflanzung verwendet werden dürfen. Damit sind also sämtliche andere Eingriffe verboten. Die zuständige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) bekräftigte die österreichische Haltung im Dezember und unterstrich, dass Österreich die Förderung der Stammzellenforschung auf europäischer Ebene nicht akzeptieren könne. Praktiziert wird in Österreich die Gewinnung und Aufbewahrung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und Plazenta.

Seit letzten Oktober gibt es in den Niederlanden ein neues Embryogesetz. Demnach ist das Klonen, die Geschlechterwahl und die Kombination von menschlichen und tierischen Embryonen verboten. An überzähligen embryonalen Stammzellen aus künstlicher Befruchtung darf hingegen unter Auflagen geforscht werden.

In Belgien werden seit Frühjahr vergangenen Jahres die Entwürfe für gesetzliche Regelungen diskutiert, wonach die Bildung von Embryonen zu Forschungszwecken zwar verboten werden soll. Überzählige Embryos könnten demnach aber unter strengen Bedingungen für die Forschung verwendet werden. Ein beratender wissenschaftlicher Ausschuss hat sich zudem gegen das reproduktive Klonen menschlichen Erbmaterials ausgesprochen, eine Stellungnahme zum therapeutischen Klonen steht aber noch aus. Ob die Gesetzesberatungen in den beiden Kammern des Parlaments in diesem Jahr abgeschlossen werden, ist offen. Bislang bestehen in Belgien keine Vorschriften, die speziell die Forschung an menschlichen Embryos regeln. Ein Dekret aus dem Jahr 1999 schreibt allerdings vor, dass Embryos nur in zugelassenen Zentren für künstliche Befruchtung hergestellt werden dürfen.

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