Kultur : Stammzellen: Mehr Ja als Nein

Matthias Thibaut

Das britische Parlament hat im Dezember 2000 die Regelung der Stammzellenforschung beschlossen. Großbritannien war das erste Land, das für "therapeutisches Klonen" eine gesetzliche Grundlage schaffte. Gleichzeitig sprachen die Briten als erste ein klares Verbot für das "reproduktiven Klonen" aus. "Pro-Life"-Gruppen kritisierten diese "alarmierend elastische" Regelung. Die zuständige Gesundheitsministerin sagte dagegen: "Wenn Embryoforschung für die Empfängnisverhütung akzeptabel ist, ist sie das auch, um Therapien für Krankheiten wie Muskeldystrophie zu finden". Grundlage der Gesetzesänderung war der Bericht eines Expertengremiums, der befand, das medizinische Potenzial der Stammzellenforschung müsse höher gestellt werden als die ethischen Bedenken. Damit wurde die Stammzellenforschung unter die Regelungen des "Human Embryology and Fertilisation Act" präzisiert. Seit 1990 regelt dieser in Großbritannien den gesamten Bereich künstliche Befruchtung und Embryologie, der nach den ersten "Reagenzglas-Babies" in den späten achtziger Jahren nicht weniger umstritten war als heute die Stammzellenforschung. Das Gesetz rief die "Human Fertilisation and Embryology Authority" (HFEA) als alleinverantwortliches Kontrollorgan ins Leben - eine Art Ethikrat mit praktischen Befugnissen. Alle Forschungen und Eingriffe an Embryonen, sei es in Fruchtbarkeitskliniken, bei der Stammzellenforschung oder der Präimplantationsdiagnostik beim Baby-Screening müssen von der HFEA genehmigt und registriert werden. Dies dürfte ausschließen, dass die Briten zu Stammzellen-Exporteuren für Deutschland werden.

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