Kultur : Stammzellenforschung: Die Ja-Aber-Sager

Im Unterschied zu den Nein-Aber-Sagern befürwortet die Ja-Aber-Fraktion grundsätzlich die Forschung an importierten Embryo-Stammzellen, will die Einfuhr aber mit ähnlich strikten Auflagen flankieren. Die Vorsitzende der Bundestags-Enquete-Kommission Margot von Renesse hat diese Position in vorsichtigen Worten gemeinsam mit Forschungsstaatssekretär Wolf-Michael Catenhusen in Antragsform gegossen. Dieser wird am 30. Januar wohl der Hauptantrag aller Befürworter eines kontrollierten Imports sein.

Die Passagen, in denen die Import-Voraussetzungen benannt werden, gleichen denen aus dem Böhmer/Seehofer-Antrag fast aufs Wort genau. Dann aber verweist der von-Renesse-Antrag auf die im Grundgesetz garantierte Forschungsfreiheit. Und darauf, dass es sich bei den zu importierenden Stammzellen um pluripotente Zellen handelt, aus denen kein vollständiger Mensch mehr entstehen kann und die daher keinen unmittelbaren Grundrechtschutz besitzen. Auch wenn das praktische Ergebnis des von-Renesse-Antrages das Gleiche ist wie das der Nein-Aber-Sager, atmen beide doch einen völlig anderen Geist. Die Ja-Aber-Sager begrüßen den Einstieg in die Forschung an embryonalen Stammzellen. Sätze wie "Zur Ethik des Lebens gehört auch die Ethik des Heilens" unterstreichen diesen völlig anderen Grundtenor. Auch Bundeskanzler Schröder dürfte zu dieser Fraktion gehören. Diejenigen, die ein Verbot wollen, verträten "eine fundamentalistische Position, die ich in keiner Weise teile", verriet Schröder diese Woche. Auch die Forschungsministerin Bulmahn zählt zu den Import-Befürwortern.

Noch über die von-Renesse-Position hinaus geht der dritte Antrags-Entwurf aus den Reihen der Union. Darin fordert die Initiatorin Katherina Reiche (CDU) ein "Stammzellimportgesetz", in dem ebenfalls klare Voraussetzungen für die Einfuhr festgeschrieben werden sollen. Für die Zukunft will sich Reiche jedoch nicht mit dem Import begnügen, sondern später eventuell auch die so genannten "überzähligen" Embryonen, die in Deutschland quasi auf Eis liegen, für die Gewinnung von Stammzelllinien nutzen. Denn, so die Begründung im Antrag, zur Zeit sei nicht absehbar, ob die im Ausland etablierten Linien ausreichend stabil sind. "Um eine erfolgreiche Grundlagenforschung hierzulande zu gewährleisten, darf auf die Möglichkeit, embryonale Stammzelllinien in Deutschland herzustellen, deshalb nicht von vornherein verzichtet werden." Reiche glaubt zwar, "bis zu 50 Politiker" der Unions-Fraktion für ihren Antrag gewinnen zu können, würde aber auch dem von-Renesse-Antrag zustimmen. Gespräche laufen.

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