Kultur : Stanley Kramer: Gerecht in Hollywood

Brigitte Böttcher

Mut ist so etwas wie das Leitmotiv in der Lebensgeschichte, zumindest jedoch im filmischen Wirken von Stanley Kramer. Gleich mit dem ersten Film, mit dem er 1949 sich einen Namen als "Produzent für die denkenden Menschen" machte, fasste er ein heißes Eisen an: "The Champion" (Regie: Mark Robson), bei dem sich Kirk Douglas gegen Unterweltbosse durchboxen musste, leuchtete grell hinein in die Korruption des amerikanischen Sports. Von 1955 an verletzte Kramer auch als Regisseur immer wieder Tabus. Am Montag ist er er im Alter von 87 Jahren in einem kalifornischen Altersheim gestorben.

In diesen Tagen vor genau 40 Jahren stellte der gebürtige New Yorker in Berlin sein vielleicht mutigstes Werk vor: "Das Urteil von Nürnberg", ein 170 Minuten langes Court-Room-Drama über die Nürnberger Prozesse, das 1961 prompt mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Einen Schlüsselsatz aus diesem Film kann man als Kramers Credo verstehen: "Lasst alle wissen, woran wir glauben: An die Wahrheit, an Gerechtigkeit, an den Wert eines jeden einzelnen Menschen." Gerechtigkeitssinn hatte der Regisseur bereits mit seinem Meisterwerk "Flucht in Ketten" (1958) bewiesen. Tony Curtis und den Sidney Poitier, ein weißer und ein schwarzer Sträfling, brachen gemeinsam aus dem Gefängnis aus und konnten aneinandergekettet nur überleben, indem sie ihre rassistischen Vorurteile zurückstellten.

Ein Aufruf zur Toleranz, ebenso wie zehn Jahre später Kramers Mittelstands-Drama "Rat mal, wer zum Essen kommt", bei dem Sidney Poitier den geschockten Eltern (Spencer Tracy und Katharine Hepburn) als künftiger Schwiegersohn vorgestellt wird. Vielen Schauspielern ebnete Kramer den Weg zum Ruhm. So bekam Gary Cooper 1952 für den ersten Kassenerfolg des Produzenten Kramer einen Oscar: "High Noon". Im berühmten Showdown tritt der Held ganz allein den Bösewichtern entgegen, während seine Mitbürger sich verstecken. Dieses Verhalten, so hat Kramers Frau Karen Sharpe gesagt, sei auch für ihren Mann typisch gewesen. "Er hat an die Gerechtigkeit geglaubt - und sich für sie stets mit Mut eingesetzt."

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