Star-Bariton : Quasthoff zieht sich von Oper zurück

Star-Bariton Thomas Quasthoff zieht sich von der Opernbühne zurück. Die geplanten Engagements in Verdis "Falstaff", Wagners "Tristan und Isolde" sowie die nächste Parsifal-Staffel habe er gestrichen, sagte Quasthoff.

Berlin - Auf die Frage, ob sich das Thema Oper damit für ihn erledigt habe, sagte der 47-Jährige: "Im Augenblick, ja. Ich bin sowieso vornehmlich Liedsänger." Quasthoff begründet in der "Welt am Sonntag" seine Entscheidung damit, dass er mehr Zeit für seine Familie haben wolle, aber auch mit einer wachsenden Skepsis gegenüber der Oper. "Die meisten Opern sind doch inhaltlich uninteressant", sagte er. "Und richtig schlimm wird es, wenn noch eine durchschnittliche Inszenierung dazukommt."

Quasthoff will demnächst eine Platte mit dem Jazztrompeter Till Brönner aufnehmen. Eine Trennung in ernste und unterhaltende Musik lehne er ab. "Ich habe es immer vermieden, Purist zu sein, sagte der Sänger. "Für mich ist die Unterteilung in E- und U-Musik sowieso Blödsinn. Wo wollen Sie denn da den Trennstrich ziehen? George Gershwin soll dann EU-Musik sein?"

Der weltweit gefeierte Sänger, der an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin Gesang unterrichtet, beklagte das Niveau vieler Kandidaten für eine Gesangsausbildung. "Wir hatten gerade Aufnahmeprüfungen in Berlin. Da ist einem teilweise das kalte Grausen gekommen, was für ein Nicht-Niveau an Hochschulen geschickt wird. Man denkt sich: Leute, habt ihr denn Senf in den Ohren", sagte Quasthoff. Er verlange außerdem von allen Studenten, dass sie Deutsch lernen. "Ich denke gar nicht daran, mit einem Dolmetscher zu unterrichten. Ich unterrichte niemanden, der nicht Deutsch kann - selbst wenn er singt, als wäre er Carusos Bruder. Ich will technisch und interpretatorisch mit ihnen arbeiten", sagte Quasthoff. (tso/ddp)

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