Kultur : Starke These

Stephan-Andreas Casdorff

„Enough is too much already.“ Auf Seite 142 findet sich dieser wunderbare Satz. Ja, genug kann manchmal zu viel sein. Statistiken, Beobachtungen, Grundsätzliches: Was uns der Franzose Emmanuel Todd da zumutet, ist viel. Und viel hot stuff: Wer glaubt schon, dass die USA als Weltmacht ausgedient haben könnten? Genau damit provoziert Todd, auch dazu, sich Fragen zu stellen. Sagen wir so: Die USA als Atlas? Wohl kaum, denn Atlas stünde still. Die USA als Leviathan, als einzig ordnende Macht nach Hobbes? Das schon – aber eben nicht mehr lang, wenn es nach Todd geht. Weil sie nicht mehr die sympathische, vernünftige Superpower sind, sondern zunehmend selbstverliebt und schwer auszurechnen; weil sie nur noch den Anschein der Stärke erwecken und zu „theatralischem Militarismus“ neigen. Nun könnte man sagen: Genug ist auch schon zu viel. Todd hat mehr Nachdenken verdient. Er war der erste Intellektuelle im Westen, der den Niedergang der Sowjetunion voraussagte. Und damals, in den Siebzigerjahren, erschienen seine Thesen auch manchen überzogen.

Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf. Aus d. Franz. v. Ursel Schäfer und Enrico Heinemann. Piper, München. 264 S., 13 €.

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