Start des USA-Festivals im Konzerthaus : Ich kann auch kochen!

Schmelztiegel-Kultur: Gershwin und Bernstein zum Auftakt des zehntägigen USA-Festivals im Konzerthaus.

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Duett, do it. Dirigent Wayne Marshall und Sängerin Kim Criswell.
Duett, do it. Dirigent Wayne Marshall und Sängerin Kim Criswell.Foto: Uwe Arens

Sie stoßen ins Horn und hauen aufs Blech. Wenn das Asphalt Orchestra des Musik-Kollektivs Bang On A Can durchs Konzerthaus wummert, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Eine treffsichere Einstimmung zum USA-Festival am Gendarmenmarkt (bis 26.2.): Wem fällt zur aktuellen Situation schon noch ein klarer Gedanke ein. Einen Botschafter der USA gibt es zur Zeit auch nicht, da ist der Weg frei für Klaus Lederer, der als Kultursenator eine offizielle Eröffnungsrede halten soll. Er winkt prophylaktisch ab, joggt dann aber natürlich doch rauf aufs Podium. „Man darf die USA nicht mit einem einzelnen Repräsentanten verwechseln.“ Das Verbindende entscheide, betont Lederer, der an Bernsteins Auftritt 1984 im Konzerthaus erinnert. Entspannung durch Musik, das bleibe wichtig. Außerdem gebe es von der Schmelztiegel-Kultur der USA viel zu lernen. Lederers Worte leben von jungenhaftem, auch aufgeregtem Charme. Die spürbare Vorfreude auf das, was dieser Abend mit Gershwin und Bernstein bringen wird, schlägt Wowereits launige Platzhirschansagen jedenfalls mit leichter Hand.

Die braucht auch Wayne Marshall, der das Konzerthausorchester in swingende Grenzbereiche irgendwo zwischen Broadway Band und Opernorchester führen soll. Den Beat erspüren, weich werden wie ein Samtvorhang und aus dem Nichts zuschlagen können wie Boxer – das ist eine Herausforderung für die Musiker. Keinen Takt unterschätzen und dabei stets locker bleiben. Kim Criswell kann davon Lieder singen: Wenn sie ihre geballte Showerfahrung abrufen kann, wenn es um Gescheites und Gescheitertes geht, ist sie umwerfend gut. Wenn sie die Unschuld, das junge Mädel mimt, werden Stimme und Profil schmal. Ein Gesangspartner oder eine -partnerin hätte Criswell an diesem Abend wohl gutgetan, auch zur Schärfung ihrer Moderationen. So staunt man nur: Wie fantastisch Gershwins und Bernsteins Autoren dichten konnten, welche Geistesgegenwart sie versprühen. Da ist schwer Hinterherkommen, obwohl man Criswell Glauben schenken möchte, wenn sie durch Bernsteins „I Can Cook Too“ hoppelt. Das Orchester schnauft zuletzt durch seine „Candide“-Suite, deren feine Ironie harte Arbeit sein kann. Ja, von den USA gibt es viel zu lernen.

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