Kultur : Statt Vielfalt Zensur ?

DETLEF BLUHM

Diskussion zur Buchpreisbindung im Berliner LiteraturhausVON DETLEF BLUHMEine Premiere im Literaturhaus Berlin: der Welttag des Buches war Anlaß für die erste von allen fünf Berliner Literatureinrichtungen gemeinsam organisierte Veranstaltung zum Thema Buchpreisbindung.Genauer: zu den Folgen des im Sommer zu erwartenden Verbots der länderübergreifenden Buchpreisbindung zwischen Österreich und Deutschland durch die Brüsseler EU-Kommission.Das Literaturhaus Berlin, die Literatur-Werkstatt, das Brecht-Zentrum, das Literarische Colloquium und das Kinderbuchzentrum LesArt luden zu einer Podiumsdiskussion Obwohl viele Argumente für und wider die Buchpreisbindung inzwischen öffentlich diskutiert worden sind, gab es doch schärfere Akzentuierungen.So schlug MdB Thomas Krüger (SPD) vor, die Begriffe Preiswettbewerb und Produktwettbewerb in der laufenden Diskussion gründlicher zu untersuchen.Denn ein Wettbewerb über die Ladenpreise führt zur Konzentration in Buchhandel und Verlagen und wird den bisher gedeihlichen Wettbewerb beschädigen. Rainer Nitsche vom Transit Verlag wies darauf hin, daß auch Großbuchhandlungen in der jetzigen Situation durch die Konkurrenz mit dem kleinen und mittleren Sortiment gezwungen sind, ein qualitativ hochwertiges Sortiment zu führen.Diese für den Buchkäufer und für kleine und mittlere Verlage erfreuliche Tatsache entfällt, wenn ein Preiskampf das kleine Sortiment zur Aufgabe zwingt.Einvernehmlich lehnten die Diskutanten den Vorschlag der EU-Kommission ab, wie in Schweden staatliche Subventionen zur Bewahrung "schutzwürdiger" Literatur einzuführen.Dieser Vorschlag komme dem Eingeständnis gleich, daß nach Abschaffung der Preisbindung ein qualitativer Mangel entstehe, außerdem ermögliche diese Praxis eine behördliche Zensur. Schließlich wurde die Frage gestellt, weshalb man einen Markt deregulieren möchte, der sich so vielfältig darstellt.Nach der Abschaffung der Preisbindung in den USA 1974 stagnierte die Buchproduktion dort bis heute, in Deutschland hat sich seitdem die Anzahl der Neuerscheinungen verdreifacht.Die Frage versuchte Ingo Weber von der Senatskulturverwaltung zu beantworten, dem die Aufgabe des advocatus diaboli zukam, da die Brüsseler Kommission keinen Vertreter entsandt hatte.Überzeugende Argumente lieferte er nicht.So kulminierte die Diskussion in ein Plädoyer für die Beibehaltung der Buchpreisbindung.Krüger versicherte, daß alle Bundestags-Parteien hinter ihr stehen.

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