Kultur : Stefan Pentes Videos und Collagen bei Koch und Kesslau,

Knut Ebeling

In einem Video von Stefan Pente sieht man fünf junge modische Menschen beim Amusement. Das bizarre Spiel, das sie spielen, ist aus unterschiedlichen Elementen bekannter Zerstreuungen zusammengesetzt: Als hätten sie eine der alten Spielesammlungen zusammengeschmissen, wirft einer einen Dartpfeil, einer würfelt, einer hantiert mit Karten und einer spielt Roulette - und doch spielen alle zusammen. Plötzlich stehen sie auf und wechseln nach einer verborgenen Dramaturgie den Sitzplatz.

Das ist das verwirrende an der Arbeit von Stefan Pente: Die Elemente sind bekannt, doch der Code, nach dem sie funktionieren, bleibt verborgen. So entsteht eine seltsame Verschiebung zwischen der Verborgenheit der Regel und der Offensichtlichkeit des Spiels. Schließlich kann man ein Spiel nicht allein durch Beobachtung erlernen - eine Einsicht, aus der beispielsweise Ludwig Wittgenstein eine ganze Sprachphilosophie entwickelte.

Stefan Pente geht es in seiner ersten Einzelausstellung bei Koch und Kesslau jedoch nicht um Sprachspiele, sondern um Spielregeln. Und es geht ihm auch nicht um Kunst, sondern um Systeme, wenn er auf eine Galeriewand eine wandteppichgroße Collage auftapeziert, auf der unzählige Versatzstüêke von unterschiedlichen Spielsystemen auftauchen. Als wolle Pente eine postmoderne Theorie illustrieren - nach der sich Zeichen nicht einer ursprünglichen Ordnung verdanken, sondern dem puren Zufall - fliegen Symbole verschiedener Spielordnungen durcheinander.

Man erkennt bunte Symbole von Körben, Feldern und Leitern, von Hürden, Mauern und Zäunen. In seiner bunten Zeichenmischung verbirgt Pente eine Menge Hindernisse. Sein Spiel ist nicht einfach zu durchschauen - falls es überhaupt gespielt werden will. Denn während sich das Spiel gemeinhin durch seine Performanz auszeichnet - also dadurch, dass es jemand ausführt (darin sah Wittgenstein die Parallele von Spiel und Sprache) -, zeichnet sich das Spiel Pentes durch seine Statik aus. Es ist wie eine künstlich zusammengebastelte Sprache, die von niemand gesprochen werden will. Selbst wenn man ihre einzelnen Bestandteile versteht, ergibt deren Summe keinen Sinn. Sein allgemeines Zeichengemüse ist wie Salat ohne Soße: Sieht schön aus, aber schmeckt nicht. Gerade darum hat man an Pentes trockener Rezeptur einiges zu beißen.

Um das Schlucken zu erleichtern, stellt Pente noch ein Video daneben. Zur Arbeit trägt es jedenfalls nichts bei. Schön ist es trotzdem: Man hört die zu einer Endlosschlaufe aneinandergehängten Logo-Sounds von Home-Entertainment-Video-Verleih-Firmen - sprich den Jingle, den man überhört, bevor der Videofilm beginnt. Dazu sieht man blinkende Kreise von einer pleitegegangenen Londoner Partyfirma, die Lichteffekte für die private house-party vertrieb - also so etwas wie eine Lichtorgel auf Videoformat.

Was für den Londoner Partygast vermutlich zu einfältig war, eignet sich für den Berliner Kunstbetrieb allemal: Die geometrische Nervosität der blinkenden Kreise ergänzt elektronisch die Starre der Wandcollage, während die euphorischen Fanfaren, Trompeten und Orgeln der Einstiegsjingles durch den Glanz ihres ornamentalen Sounds spärlich die Leere eines uneinlösbaren Versprechens durchschimmern lassen.Galerie Koch und Kesslau, Weinbergsweg 3, bis 21. August; Donnerstag bis Sonnabend 16 - 20 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben