Kultur : Stefan Saffer in der Berliner Galerie Koch und Kesslau

Elfi Kreis

In 70er Jahren kamen Nagelbilder in Mode: Man verband sie mit Garn und entwickelte aus Fadenlinien dreidimensionale Bildgespinste. Die Erzeugnisse aus dem heimischen Hobbykeller waren eine Art Günther Uecker-Naum Gabo-Verschnitt für den Heimwerkerbedarf. Stefan Saffers Raumbilder basieren auf einem ähnlichen Ausgangsprinzip. Er aber schlägt seine Nägel direkt in die Wand und bespannt sie mit farbigen Klebebändern statt mit Faden oder Schnur.

Der zwischen München, Berlin und London pendelnde Künstler konzipiert einfache, flexible Systeme auf der Basis geometrisch linearer Formen. Zentrales Element sind für ihn dabei die Farben, deren raumbildende Funktion er nutzt. Auf diese Weise entstehen von Rauten abgeleitete Konstrukte, Phasen eines sich ausdehnenden Rechtecks, strahlenförmige oder an ein Weltraumfahrzeug mit technoiden Spinnenbeinen erinnernde Gebilde. Spielerisch entwickelt Saffer die abstrakte Rahmenhandlung seiner "Frames", wie er diese Klebebandarbeiten nennt. Sie wirken von der Wand losgelöst, scheinen geradezu zu schweben. In ihrem Verlauf nehmen sie auf räumliche Unterbrechungen und Einbauten wie eine Treppe keinen Bezug.

In der Galerie Koch und Kesslau hat Saffer die beiden Wände zuvor farbig gestaltet. Einen "kosmischen Effekt" wünschte er für seine Verknüpfung von Ansätzen aus Malerei, Zeichnung, Objekt und Installation als Hintergrund. Saffer liess deshalb einen Farbverlauf von Weiß nach Gelb und Orange über leuchtendes Signal- und Dunkelrot bis zu einem violetten Schwarz hin sprühen. Zwei Schüler der staatlichen Fachhochschule für Farb- und Lacktechnik Berlin übernahmen für ihn die Ausführung. Ihre Arbeit wird im Rahmen des praxisbezogenen Unterrichts benotet. Der Künstler erhält im Gegenzug Unterrichtsstunden in Kunst.

Frei vom Hang zur Selbstunterschätzung veranschlagt Saffer die Kosten für eine Raumkonzeption in der vorgeführten Größenordnung mit etwa 15 000 Mark. Dennoch kann auch diese Summe nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Arbeit ein wenig selbstgebastelt wirkt. Der kluge Künstler aber baut dem immer wieder gern genommenen Satz "Das kann ich auch" geschickt vor. Als Multiple bietet er einen Basisbau an, bei dem sich jeder selbst ausprobieren kann. Die in Klarsichtfolie eingeschweißte Do-it-yourself-Packung (Auflage 24, 200 Mark) erhält zudem zwölf Kartonkacheln und Nägel plus Gebrauchsanweisung, wie sie an die Wand zu bringen sind. Nägel zwei Zentimeter tief einschlagen: "Hierbei ist zu beachten, dass das Band immer leicht gespannt bleibt, wenn Sie es zwischen einen oder mehrere Nägel kleben." Der letzte Punkt der Anweisung lautet: "Treten Sie einige Schritte zurück, um ihre Entscheidung immer wieder zu überprüfen".Galerie Koch und Kesslau, Weinbergsweg 3, bis 4. Dezember; Donnerstag bis Sonnabend 16-20 Uhr.

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