Kultur : Sternklar

Mark Menders Modefotos bei Contributed.

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Mondsüchtig. Foto einer Kampagne für die Brillenfirma Silhouette, 1973. Foto: M. Mender
Mondsüchtig. Foto einer Kampagne für die Brillenfirma Silhouette, 1973. Foto: M. Mender

In seinem Studio wurde alles zum Look: der weiße Anzug mit Bügelfalte ebenso wie ein braver Trenchcoat oder jene futuristischen Sonnenbrillen, mit denen 1973 zwei Models auf dem Weg ins All waren. Natürlich fotografierte Mark Mender die Mode in selbst gebauten Kulissen. Und doch wirkt seine blaue Blase so unendlich weit weg von München, dass die Silhouette-Brille „Futura“ von einem anderen Stern zu kommen scheint.

Für solche Inszenierungen war der Modefotograf in den sechziger und siebziger Jahren berühmt. Mender besaß nicht bloß ein technisch überlegenes Equipment, er hatte auch die ungewöhnlichsten Ideen. Der französische Couturier Luis Féraud ließ seine Kleider von Mender ablichten, Dunlop gab die Tennismode von Fred Perry in seine Hände. Und der 1933 geborene Fotograf ließ die knappen Kleidchen in einem weißen Raum wie Tennisbälle fliegen.

Die Berliner Galerie Contributed zeigt nun eine Auswahl seiner Aufnahmen. Vorwiegend handelt es sich dabei um Schwarz-Weiß-Bilder und einige seltsam gefilterte Farbaufnahmen. Die meisten dieser Mittelformate in der Größe von Plattencovern waren bestellte Motive für Kampagnen, einige hat Mender für sein eigenes Fotomagazin gemacht. Nie aber spielt die Kleidung allein die Hauptrolle: Erst mit der passenden Frisur und dem sorgfältig komponierten Hintergrund kreiert sie jenes Image, das sich auf ihren Käufer übertragen soll. Mode als Ausdruck cooler Weltläufigkeit – auf diese Botschaft verstand sich der Fotograf.

Es sind solche Vintages (je 3000 Euro), die Nadine Barth interessieren. Neben den Originalen aus Menders umfangreichem Archiv, die er damals selbst entwickelte und an die Modemagazine gab, hat die Galeristin einige Sujets in kleiner Edition neu aufgelegt (je 2500 Euro). Vier Jahrzehnte später wirken sie wie ferne Erinnerungen einer Generation, die mit James Bond und political uncorrectness aufgewachsen ist. Die die verrätselnden Unschärfen der analogen Fotografie genauso akzeptiert wie pausenlos rauchende Männer und eine trotzige Blondine, die den Lauf eines Gewehrs in die Kamera hält. Ungewöhnlich sind Menders settings fast immer. Wenn er in seinem Studio nicht gerade Bühnen baute, auf denen die Models zu artifiziellen Wesen werden, scheucht er sie nach draußen. Wie Richard Avedon macht er die Straße zum Laufsteg, doch während der amerikanische Fotograf ästhetische Orte wählt, ist die Welt bei Mender aus geflecktem Eis, ein Arbeitsort wie der Flughafen oder heruntergekommen wie jene sizilianische Gasse, wo das Paar mit Gewehr posiert. Christiane Meixner

Galerie Contributed, Strausberger Platz 16; bis 2. 6., Di - Fr 14 - 19 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr

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