Kultur : Sternschnuppe

Zwei Stunden Soulkabarett: Alicia Keys im Tempodrom

NAME

Sie liebt klassische Musik, und sie liebt theatralische Auftritte. Zu Beethovens 5. Symphonie schreitet Alicia Keys auf die Bühne des Tempodroms und nimmt, den Hut tief ins Gesicht gezogen, eine dramatische Pose ein – aber nur für einen kurzen Moment. Denn ebenso unvermittelt leitet ihre elfköpfige Band in das groovige „Rock wit U" über, kokettiert mit einer Einlage von Michael Jacksons Discosong „Get on the Floor" – und aus dem Ernst wird ein zweistündiges Soulkabarett. Keys nutzt ihre Bühnenelemente und spielt mit Stimmungen: Beim sehnsüchtigen „How come you don`t call me anymore" betritt sie eine Telefonzellen-Requisite, für ihre traurigen Soloeinlagen am Klavier werden der Mond und die Sterne projiziert. Ständig werden der quirligen Sängerin die Sythesizer und ein Flügel neu aufgebaut. Irgendwann wirft sie herausfordernd ihren Hut weg: „Can you see me out there?" Wenn überhaupt, ist gerade das ein Problem: Keys kämpft gegen ihre Niedlichkeit. Auch ihre Anfeuerungen („Hit me!") sind weit entfernt vom lasziven James Brown – das Versprechen von Street-Charme löst zurzeit nur Keys Band ein, der ein DJ und ein Rapsänger angehören. Dass die 21-Jährige eine Ausnahmemusikerin ist, verdeutlichen ihre solistischen Klaviermomente, in denen die Entertainerin Keys zur Ruhe verdonnert ist. Dann gelingen ihr magische Momente: Auf die Mondscheinsonate folgt der Popsong „Butterflyz", doch beide Stücke erscheinen so einheitlich, als wären sie wie füreinander komponiert. Sassan Niasseri

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben