Kultur : Stets kollegial

Nationalgalerie: Schinkels Entwürfe für Bildhauer

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Foto: Staatliche Museen zu Berlin
Foto: Staatliche Museen zu Berlin

Die große Schinkel-Ausstellung des Kupferstichkabinetts, die im kommenden Herbst aus dem gewaltigen Nachlass des Baumeisters schöpfen wird, lässt erste Einblicke in die Forschung zu. Nach den Blättern zur „Italienischen Reise 1803/5“ Karl Friedrich Schinkels im vergangenen Jahr werden nun in einer Kabinettausstellung in der Alten Nationalgalerie zwei Dutzend Zeichnungen vorgestellt, mit denen Schinkel (1780–1841) zu Bildwerken Vorlagen gab. Er selbst, der als Architekt, Maler und Bühnenbilder glänzte, hat nie modelliert. Seine Entwürfe blieben Zeichnungen, zweidimensional und vom Bildhauer in plastische Form zu überführen.

Schinkels eigene Bauten sind ohne figürlichen Schmuck nicht zu denken. An der Neuen Wache, 1818 ausgeführt, konnte Schinkel einen ersten eigenen Versuch zum baukünstlerischen Gesamtwerk unternehmen. Er fiel nicht glücklich aus. Schinkel hielt sich fortan an den gleichaltrigen Christian Daniel Rauch, für den er später den Sockel des Reiterstandbildes Friedrichs des Großen entwarf.

Schinkel erscheint in der kleinen, feinen Kabinettausstellung als ein einmal für alle Zeit geprägter Geist: von Winckelmanns Antikenauffassung, vom Zeitalter Goethes, vom Vorbild des allzu früh verstorbenen Genies Friedrich Gilly. Schinkel mochte für Denkmäler nur antike Gewänder zulassen, zeitgenössische Kleidung wie etwa militärische Uniform war ihm zuwider. Rauch war da freier, wie bei seinem Denkmal des populären Befreiungskriegshelden Blücher.

Womöglich hätte Berlin sogar eine antikisierende Trajans-Säule erhalten, hätte sich König Friedrich Wilhelm III. 1831 durchgesetzt. Schinkel, wenig begeistert, lieferte den Entwurf einer von einer Halle umgebenen Säule, mehr Architektur als Bildhauerei. Die Idee wurde bald ad acta gelegt mit dem Einwand Schinkels, das gewundene Reliefband lasse „keineswegs die ruhige Betrachtung zu, die bei jedem Monumente der schönen Kunst gewünscht wird“. Es kam zu Rauchs Reiterstandbild.

Solche Klein- und Feinheiten sind es, die die Ausstellung sehenswert machen. Auch Schinkels Entwürfe für den jungen August Kiß zählen dazu. Kiß befreite sich mit einer naturalistischen „Stürzenden Amazone“ vom Klassizismus seines Gönners, Schinkel selbst wusste 1831 nur noch einen steif modellierten Sockel hinzuzufügen – erhob jedoch gegen die Aufstellung der ihm fremden Skulptur ausgerechnet an der Freitreppe seines eigenen (Alten) Museums keine Einwände. So kollegial war Schinkel, als Architekt gefeiert wie von Untergebenen gefürchtet, in dem ihm weniger vertrauten Metier der Plastik denn doch. Berlins Mitte ist von ihm geprägt, als Architekt wie als Vorlagengeber der Bildhauerei. Bernhard Schulz

Alte Nationalgalerie, Museumsinsel, Kabinett im EG, bis 8. Januar 2012. Katalog im Deutschen Kunstverlag, 14,90 €

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