Kultur : Steven Soderbergh: Nie ohne Happy-End

Andreas Conrad

"Wer von Ihnen hat hier schon mal Drogen genommen?" Tolle Eröffnung eines Gesprächs. Teils mutig, teils zögernd recken sich einige Finger, auch der neugierige Steven Soderbergh hebt eine Hand. Was genau er denn genommen habe? Die Gegenfrage liegt nahe. "Alles." Soderbergh lacht. Das soll man nun glauben? Wobei es auch einen sehr weiten Begriff von Drogen gibt. Alkohol, Sex, Macht, Essen - jeder habe so etwas, das er wieder und wieder haben wolle.

Aber die Drogen in "Traffic" sind natürlich von anderem Kaliber. In den sechs Wochen, seitdem der Film in den USA in die Kinos gekommen sei, habe es dort viele Diskussionen zu diesem Thema gegeben. Vorher redete man nicht darüber, plötzlich würden ständig Politiker auf den Film und das Drogenproblem angesprochen, berichtet Soderbergh, der in seiner Hornbrille, dem schwarzen T-Shirt eher einem Collegeboy als einem Oscar-verdächtigen Regisseur gleicht. Viel mehr kann ein Film nicht erreichen, das weiß er, aber er erreiche es nur, wenn er trotz aller Hoffnungslosigkeit im Großen doch einen kleinen Lichtschimmer im Kleinen, Persönlichen zeigt. In der Familie des von Michael Douglas gespielten obersten Drogenfahnders beispielsweise, dessen Tochter zuletzt den Drogen entkommt. Ein Film dagegen, aus dem man nur mit hängendem Kopf rausgeht und sich dann fragt, warum man sich das über zwei Stunden angesehen hat - nein, das kleine Happy-End musste schon sein.

Was ihm beim Drehen am meisten Sorgen machte: drei Handlungsstränge, nicht mal chronologisch gefilmt, sieben Drehorte, 115 Sprechrollen - hinterher soll es aussehen wie aus einem Guss, aber ob es funktioniert, merkt man erst im Schneideraum. Nun gut, es hat ja funktioniert.





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