Stiftung : Die Opernmafia

Krach im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus: Intendant und künstlerischer Leiter der Staatsoper unter den Linden Peter Mussbach, dessen Vertrag nicht verlängert wird, zieht heftig vom Leder.

Christina Tilmann

Sonne im Ganzen, Sturm im Detail: Die Großwetterlage im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses präsentiert sich an diesem Aprilvormittag jahreszeitgemäß. Zur Anhörung in Sachen Opernstiftung war geladen, mit besonderer Berücksichtigung der dramatischen Ereignisse an der Staatsoper, und bis auf den probenunabkömmlichen Vladimir Malakhov, der für das Staatsballett von Christiane Theobald vertreten wird, sind die Opernintendanten auch gekommen.

Sie alle zeigen sich, was die Zustände in der nun vier Jahre bestehenden Opernstiftung angeht, durchaus zufrieden: Solange die Stiftung sich auf Marketing-, Verwaltungs- und Administrationsaufgaben beschränke und sich nicht anmaße, inhaltlich in die Häuser eingreifen zu wollen, sei das schon ganz okay so, ist der allgemeine Tenor. Also keine Rede mehr vom weisungsbefugten Generalintendanten, wie ihn der glücklose Michael Schindhelm gefordert hatte. Stefan Rosinski, der Interims-Generaldirektor, sieht sich eher als „Verwaltungsmodernisierer“. Sein Motto: „Mein Job ist es, mich unsichtbar zu machen.“

Umso sichtbarer machen sich dafür andere. Denn die Harmonie in Operndingen, die durch steigende Besucherzahlen, Jahresüberschüsse sowie einen unverhofften Bund- und Landessegen von 20 Millionen Euro befördert wurde, wird empfindlich gestört durch den Führungsstreit an der Staatsoper. Peter Mussbach, dem der Regierende Kultursenator Klaus Wowereit vor drei Wochen die Nichtverlängerung seines Vertrags über 2010 hinaus angekündigt hatte, nutzt die Gelegenheit, heftig vom Leder zu ziehen: gegen den geschäftsführenden Direktor der Staatsoper Georg Vierthaler, dem er vorwirft, das Haus verantwortungslos geführt zu haben und sieben Millionen Euro Rücklagen aus dem Betrieb herausgepresst zu haben – Rücklagen, die Wowereit nun dafür nutzen will, das ab 2010 zu erwartende Defizit in der Ausweichspielstätte Schillertheater aufzufangen. Und vor allem gegen Wowereit selbst, den er im Komplott mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim sieht. Sein Vorwurf: Wowereit habe es nicht für nötig befunden, ihm die Nichtverlängerung selbst mitzuteilen, während Barenboim ihm nahegelegt haben soll, den Rücktritt selbst zu erklären: „Ich sage nur: Mafia.“

Ein Paradox: So steht Berlins glamouröseste Oper als ärmste dar. „Nach außen reich, nach innen arm“, nennt es Mussbach. Gerade hat das Haus auf Druck des Bundes zehn Millionen Euro jährliche Zusatzgelder erhalten (worauf der Senat die anderen Häuser zähneknirschend ebenfalls bedenken musste), und doch stellen sich hier die meisten Probleme. Im Raum steht nicht nur die Frage, wie das Haus die dreijährige Renovierungsphase überstehen soll, sondern vor allem jene, wer es in dieser Zeit personell betreuen soll. Eine Nachfolgelösung ist nicht in Sicht. Nur die besten Köpfe solle man fragen, erträumt sich Rosinski: „Wenn Sie keine Ideen haben, Herr Wowereit, dann kaufen Sie welche ein.“ Christina Tilmann

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