Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Humboldt, vernetzt

Mehr Forschung, mehr Wirkung: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentiert ihre Zukunftsvisionen. In diesem Jahr wird mit der Eröffnung des Neuen Museums auf der Museumsinsel eine Lücke geschlossen.

Bernhard Schulz

2009, so Hermann Parzinger, sei „in der Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit das schwierigste Jahr“. Parzinger amtiert seit knapp einem Jahr als Präsident der SPK. Gestern hielt er seine erste Jahrespressekonferenz ab, ganz unpräsidial, fast atemlos, als wolle er mit dem Tempo seiner umfänglichen Mitteilungen deutlich machen, welch Berg von Aufgaben vor ihm liegt und wie sehr die Zeit drängt. Dabei kamen die Finanzen, denen das Wort vom „schwierigsten Jahr“ galt, erst spät zur Sprache, nicht als flammender Appell, sondern als sei mit dem Bund als Hauptfinanzier schon Besserung ausgemacht. 2009 liegt der Haushalt unverändert bei 251 Millionen Euro. Doch zeigte sich Parzinger zuversichtlich, dass es so nicht bleiben werde, zumal wenn in einigen Jahren das Humboldt-Forum für die derzeit noch Dahlemer Museen hinzukommt: „Die Politik weiß, dass sie uns unterstützen muss.“

Die innere Verknüpfung wie auch die Außenwirkung der SPK sind Kernanliegen des Präsidenten, der als erfolgreicher Archäologe und Wissenschaftsmanager selbst verkörpert, wie er die SPK verstanden wissen will: „an der Schnittstelle von Bildung und Kultur, von Wissenschaft und Forschung“. Nicht die Museen, wie bislang, sondern die innere Organisation der weitverzweigten SPK plus die Stärkung ihres wissenschaftlichen Outputs stehen im Mittelpunkt von Parzingers Denken. Es hagelte Begriffe wie Austauschprogramm, Stipendiatenaustausch, „institutionenübergreifende Großforschung“, und über allem: die Stiftung als „Kosmos der Wissenswelten“.

Nach außen wird ein besserer Marken-Auftritt gesucht, es soll ein SPK-Magazin für das breite Publikum geben, eine „Development-Abteilung“ ist bereits eingerichtet. Die „Einheit der Stiftung“ solle „visuell und virtuell sichtbar gemacht“ werden. „Vernetzung“ ist ein Lieblingswort Parzingers, ohne bei ihm modisch aufgesetzt zu wirken. Da bricht offenbar eine neue Ära an: Der Präsident benötige „das Back-up“ der einzelnen Einrichtungen, und deren Mitarbeiter „müssen das Gefühl haben, sich einbringen zu können“. Und es werden Themen definiert, bei denen sich möglichst alle Einrichtungen beteiligen können. Die SPK als ideelles Gesamt-Humboldt-Forum.

Ja, das Humboldt-Forum: Da bekräftigte Parzinger nochmals, wie gut er den Siegerentwurf des italienischen Architekten Franco Stella finde, der „alle Nutzer anforderungen“ berücksichtige. Jetzt wird am Ausstellungskonzept gefeilt; ab 8. Juli wird eine Ausstellung im Alten Museum „unsere Vorstellungen sichtbar machen“. Erfreut zeigte sich Parzinger über das internationale Interesse: „Überall merkt man, hier entsteht etwas, eine tolle Chance zur Präsentation der Weltkulturen.“ Das Eröffnungsjahr verschob Parzinger beiläufig von 2013 auf 2014/15.

Eröffnet wird in diesem Jahr 2009 allerdings das Neue Museum auf der Museumsinsel, für das sich der ebenfalls neue Generaldirektor der Museen, Michael Eissenhauer, fast schwärmerisch begeistert. Er sprach von „Lückenschluss“, „Wiedergewinnung“, vom „Dreh- und Angelpunkt, weil es den Wiederaufbau der Museumsinsel abschließt“. Am 5. März wird das Gebäude der SPK übergeben, gefolgt von drei Tagen der offenen Tür, am 16. Oktober ist Einweihung. Nofretete im Nordkuppelsaal wird eine ganze Sichtachse durchs Gebäude hindurch überblicken, so viel verriet Eissenhauer zur Einrichtung, die das Ägyptische Museum, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und Teile der Antikensammlung betreffen wird.

Baulich fertiggestellt wird 2009 auch der neue Lesesaal im Altbau der Staatsbibliothek Unter den Linden. Dann geht es an die Aufstellung des Buchbestandes; der Altbau wird Literatur bis 1900 anbieten, der – bereits dreißig Jahre alte – Neubau an der Potsdamer Straße die Moderne des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Eröffnet wird der Lesesaal Unter den Linden Mitte kommenden Jahres.

Und die Besucher? Deren Zahl hat sich bei den Museen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent vermindert, auf dennoch stolze 4,6 Millionen. Das sind andererseits eine halbe Million mehr als 2006: Schwankungen, die geknüpft sind an attraktive Ausstellungen wie zuletzt „Babylon“. Der Besucher will umworben werden, das zeigen die Zahlen deutlich. Dahlem ist im öffentlichen Bewusstsein schon beinahe abgeschrieben. Nur noch 137.000 Besucher fanden den Weg dorthin. Ein Grund mehr, sich beim Bau des Humboldt-Forums ja keine Verzögerung zu erlauben.

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