Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Neuer Boss gesucht

Die vom Bund und den Ländern getragene Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin beginnt mit der Suche nach einem neuen Präsidenten. Kandidaten für einen Lehmann-Nachfolger sind bisher noch nicht bekannt.

Berlin - Klaus-Dieter Lehmann scheidet nach Vollendung seines 68. Lebensjahres am 29. Februar 2008 nach rund einem Jahrzehnt aus dem Amt. Eine Findungskommission aus Vertretern von Bund und Ländern tritt erstmals am 24. April zusammen, um Sondierungen über mögliche Nachfolgekandidaten für das Amt an der Spitze der größten deutschen Kultureinrichtung mit 17 Museen, darunter die Museumsinsel mit dem Pergamonaltar, aufzunehmen. Laut Lehmann handelt es sich dabei um ein weltweit einmaliges Ensemble, das nur mit dem Pariser Louvre oder dem British Museum in London vergleichbar sei - eine "Galaxis der Kultur".

In der Findungskommission sitzen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) als Stiftungsratsvorsitzender, der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD), seine Amtskollegen Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (Nordrhein-Westfalen/CDU) und Joachim Hofmann-Göttig (Rheinland- Pfalz/SPD) sowie der thüringische Kultusminister Jens Goebel (CDU).

Namen für Nachfolger noch nicht genannt

Offiziell sind bisher keine Namen für einen Lehmann-Nachfolger genannt worden. Ins Gespräch gebracht wurden bisher wie zuletzt auch in der Kunstzeitschrift "Monopol" unter anderem der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth (Jahrgang 1955), der 60-jährige Direktor der Tate Modern London, Sir Nicolas Serota, und der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Hermann Parzinger (48). Ob der Historiker und frühere Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Christoph Stölzl (63), der seinerzeit der Favorit des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) war und Lehmann unterlag, noch einmal zum Zuge kommt, scheint fraglich.

Im kommenden Oktober wird der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, 65 Jahre alt. Er war zuletzt von dem zurückgetretenen Kurator der Sammlung Marx im Hamburger Bahnhof, Heiner Bastian, heftig kritisiert worden. Im Fall Schuster steht im Stiftungsrat die Frage einer Amtsverlängerung oder Ablösung an. Hier werden als mögliche Nachfolger unter anderem der Chef der Kunsthalle Schirn und des Städel-Museums in Frankfurt am Main, Max Hollein, oder Klaus Biesenbach, der in den Berliner KunstWerken auf sich aufmerksam machte und heute deutscher Kurator im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) ist, genannt.

Organisation der Stiftung

Die Wahl Lehmanns 1998 war zu einer "Nagelprobe für den Föderalismus in Deutschland" geraten, wie es der frühere Direktor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt formuliert hatte. Die Länder, die insgesamt nur mit 25 Prozent am Betriebshaushalt der Preußen-Stiftung beteiligt sind (die milliardenschweren Bauinvestitionen trägt der Bund allein) haben bei wichtigen Entscheidungen eine Sperrminorität. Damals scheiterte daran Stölzl während die Länder mit NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) an der Spitze Lehmann favorisierten.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin wurde 1957 zur Pflege, wissenschaftlichen Auswertung und Weiterentwicklung von kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen sowie wissenschaftlichen Institutionen des ehemaligen, von den alliierten Siegermächten 1947 aufgelösten preußischen Staates errichtet. Sie umfasst die Staatlichen Museen unter anderem mit Nationalgalerie, Pergamon- und Bode-Museum sowie die Sammlung Berggruen, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv und andere Institutionen. (tso/dpa)

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