Stiftungsleiterin Huda Alkhamis-Kanoo : Pionierin der arabischen Kulturszene

„Die Menschen sind nicht zu kontrollieren.“ Vor 20 Jahren gründete Huda Alkhamis-Kanoo die Musik- und Kunststiftung ADMAF in Abu Dhabi.

Huda Alkhamis-Kanoo, Gründerin und Leiterin der Abu Dhabi Music an Arts Foundation.
Huda Alkhamis-Kanoo, Gründerin und Leiterin der Abu Dhabi Music an Arts Foundation.Foto: ADMAF

Wenn Huda Ebrahim Alkhamis-Kanoo auf den Libanon zu sprechen kommt, geht ihr, der Gründerin und Leiterin der Abu Dhabi Music an Arts Foundation (ADMAF) das Herz auf: „Libanon war damals in den sechziger und frühen siebziger Jahren das angesagte Land in der arabischen Welt. Beirut hat mich geformt und ich rieche immer noch den Jasmin“ erzählt die Kulturmanagerin in Berlin. Ihre Mutter stammte aus Syrien, der Vater war ein erfolgreicher saudischer Geschäftsmann, aber auch ein Poet, der die Beduinendichtung Nabati pflegte. Geboren wurde sie in Beirut. „Mein Vater war ein sehr engagierter Mann, wir führten ein offenes Haus, in dem Künstler und Schriftsteller ein- und ausgingen. Ich wurde als Kind in die Schönheit der Kunst und Kultur eingeführt.“

Dieses Glück hatte jedoch ein jähes Ende, als der verheerende libanesische Bürgerkrieg 1975 begann. Die Familie musste das Land verlassen und zog nach Saudi-Arabien. 1991 ging sie als erstes Mitglied ihrer Familie nach Paris und studierte dort Kunst und Französische Literatur an der American University. „Es war eine prägende Zeit“, erinnert sie sich. Im dritten Jahr musste sie ihr Studium abbrechen und zurück nach Abu Dhabi in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) umsiedeln, deren Staatsangehörigkeit sie annahm. Sie heiratete den prominenten Bahreinischen Geschäftsmann Mohamed Abdul Latif Kanoo, der sich auch als Konzeptkünstler einen Namen gemacht hatte.

„Eines Tages besuchten wir ein Konzert und vor der Tür fiel mir ein junger Mann auf, der sich vor dem Eingang zu dem Konzert herumdrückte. Er hätte wohl gerne das Konzert besucht, aber er hatte keine Einladung. Er war auch nicht besonders gebildet, aber er interessierte sich für die Musik. Ich nahm ihn kurzerhand als meinen Gast mit in das Konzert“, erzählt sie. Huda Alkhamis-Kanoo hat die Energie, Dinge zu bewegen und Menschen zu überzeugen. „Ich hatte das Gefühl, ich müsse etwas tun“, erzählt sie. „Wir haben zwar eine Musikerziehung in den VAE, aber nicht so wie im Libanon oder in Ägypten. Diese Länder stammen doch von großen Kulturen ab. Kultur ist ein bedeutendes Fundament einer jeden Gesellschaft.“ Und so reifte bei ihr die Idee, mit einer Stiftung den Hunger nach Bildung, Kunst und Kultur zu stillen für alle diejenigen, die sich das nicht leisten können.

Unterstützung von der Regierung

Mit ihrem Geld und dem ihres Mannes gründete sie 1996 ADMAF. „Wir wussten am Anfang nicht, wohin das führen und wie das Ganze aufgenommen werden würde“, erzählt sie, aber die Stiftung und ihre Veranstaltungen waren ein großer Erfolg. Heute erreicht sie pro Jahr 40 000 Menschen in ihrem Land. Zu den Leuchttürmen der Arbeit der Stiftung gehört das jährliche Abu Dhabi Festival. Die Stiftung organisiert herausragende Kulturveranstaltungen und fördert begabte junge Menschen.

Aber profitieren davon nicht nur Emiratis? „Nein“, widerspricht sie energisch, „unsere Workshops stehen allen offen. Stipendien für Künstler gehen allerdings nur an Landsleute“. Mittlerweile ist die Stiftung über 20 Jahre alt und sehr erfolgreich, kürzlich war die Ausstellung „Portrait of a Nation“ im me collectors room zu sehen, für sie ein Erfolg.

Kunst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Lamya Gargash, Diana, 2012, aus der Serie ‚Im Spiegel‘, Diptychon C-Print, je 114 x 76 cm. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Galerie The Third Line. Die Künstlerin hatte im Bekanntenkreis Freundinnen nach ihren inneren Ängsten gefragt und sie im jeweils rechten Foto dargestellt.Weitere Bilder anzeigen
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15.09.2017 11:11Lamya Gargash, Diana, 2012, aus der Serie ‚Im Spiegel‘, Diptychon C-Print, je 114 x 76 cm. Mit freundlicher Genehmigung der...

„Ich hätte das, was ich jetzt mache, in keinem anderen arabischen Land verwirklichen können“, sagt sie. „Ich bin keine Prinzessin und keine Sheika, das Geld kommt aus der Privatwirtschaft, aber die Regierung hat den Wert meiner Arbeit erkannt und unterstützt mich“, sagt sie.

Sie ist stolz auf die Rolle der Frauen in den VAE. Das gehe schon auf den Staatsgründer zurück, der die Frauen „als Mütter der Nation“ bezeichnet hatte, denen man Schulen und Universitäten öffnen müsse. „Gleichberechtigte Erziehung und gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist wichtig“, sagt sie und ergänzt: „In der Religion ist keine Diskriminierung der Frauen vorgesehen. Die rührt von späteren Interpretationen. Wir müssen voranschreiten. Die Mystifizierung des Islam ist ein Problem, aber wir sind doch heute 200 Jahre weiter.“

Keine roten Linien

Und wie ist es um die Freiheit der Kunst bestellt? „Die Künstler in den VAE sind smart, sie sagen, was sie denken, vielleicht auf eine andere Art. Wir sind freundliche Menschen. Man kann auch das Internet nicht mehr aufhalten, auch das freie Wort ist nicht aufzuhalten. Die Menschen sind nicht zu kontrollieren, das ist vorbei“, sagt sie.

Rote Linien existierten nicht, ergänzt sie, „wir respektieren den Anderen und führen den Dialog. Künstler werden immer eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielen.“ Für ihre Pionierarbeit in der arabischen Welt wurde sie kürzlich von Präsident Macron zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

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