Kultur : Still ruht der See

Jörg Königsdorf

flieht mit Mozart in die Waldeinsamkeit Die Gründer der großen Kammermusik-Festivals vom finnischen Kuhmo bis nach Lockenhaus, Feldkirch und Mondsee in Österreich haben es vorgemacht: Weil in den Metropolen doch immer nur diejenigen den Ton angeben, die am lautesten sind, sind sie einst dorthin gegangen, wo noch die Stille regiert, und machten Boden urbar, den noch kein Sinfonieorchester oder Opernensemble breitgetreten hat. Denn gerade hier, in der völligen Abgeschiedenheit alter Dorfkirchen, Schulaulen und improvisierter Konzertorte, scheint das Nachtschattengewächs Kammermusik erst richtig zu gedeihen – als ob die intimen Dialoge zwischen einer Handvoll Solisten genau diese Gegenwart der schweigenden Wälder bräuchten, als Echoräume für die einsamen Seelen gewissermaßen.

Was Abgeschiedenheit angeht, kann es das kleine Bebersee-Festival problemlos mit den finnischen Weiten und alpinen Berglandschaften aufnehmen. Der Ort liegt zwar nur gute 50 Kilometer nördlich von Berlin, ist aber im größten zusammenhängenden Waldgebiet Europas gut versteckt. Seit einigen Jahren hat der Pianist Markus Groh , erster deutscher Gewinner des berühmten Reine-ElisabethWettbewerbs in Brüssel, hier eine kleine Konzertreihe organisert. Jeweils an zwei Wochenenden Ende Juli kommen Groh und seine Freunde im akustisch erstaunlich guten Hangargebäude des alten sowjetischen Militärflugplatzes Groß Dölln zusammen und spielen die Musik, die sonst fast immer zu kurz kommt.

Weil die Musiker (in diesem Jahr zum Beispiel Adrian Brendel, Claudio Bohorquez u nd Claudia Barainsky) ohnehin für Proben und Ferien am Ort sind, kann Groh seine Programme aus Werken für verschiedene Ensembles zusammensetzen – ein Luxus, der im Saisonbetrieb nur selten möglich ist. Heute beispielsweise gibt es zu einem Haydn-Klaviertrio Mozarts spätes Streichtrio, Bergs „Sieben frühe Lieder“ und Schuberts große Fantasie für Klavier zu vier Händen, am nächsten Donnerstag stehen Werke von Mahler (Quartettsatz), Zemlinsky, Schnittke und Tschaikowskys grandioses Klaviertrio auf dem Plan, am Sonnabend gibt der weltberühmte Klavierpädagoge Hans Leygraf eines seiner seltenen Konzerte. (Karten unter 0911–9716454). Hinterher sollte man ruhig noch etwas bleiben. Und der Stille zuhören.

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