Kultur : Still ruht die See

Michael Wesely in der Alten Nationalgalerie

Jürgen Tietz

Wer in der Neuen Nationalgalerie noch nicht genügend Melancholie getankt hat, bekommt in der Alten Nationalgalerie einen Nachschlag. Im Caspar David Friedrich Saal werden den Werken des Romantikers drei großformatige Fotografien von Michael Wesely gegenübergestellt. Zwei der Arbeiten aus dem Jahr 2003 stammen aus der Sammlung des Hamburger Bahnhofs, die dritte ist eine Leihgabe der Galerie Fahnemann.

Aufgenommen mit einer Spaltkamera, also ohne Objektiv, fangen Weselys Fotografien das Licht an der Havel bei Lankwitz, den Blick auf Schloss Babelsberg von der Glienicker Brücke sowie den Hafen von Greifswald ein. Doch anstelle detailgetreuer Landschaftsbilder entstehen durch die spezielle Aufnahmetechnik abstrakte Farbkompositionen. Die Schichtung verschieden breiter Streifen, die von Schwarz über unterschiedliche Graustufen bis Blau und Grün reicht, zeichnet auf wundervolle Weise die Stimmungswerte von Licht und Landschaft nach. Dabei wird eine erstaunliche Verwandtschaft zu den Arbeiten Caspar David Friedrichs sichtbar. Wie bei dessen „Mönch am Meer“ (1808/10) kann man auch bei Weselys Fotografien in die Tiefe der Farb- und Seelenlandschaften steigen. Doch auch wenn die faszinierenden Fotografien für sich sprechen, würde eine erläuternde Tafel dem Museumsbesucher die Annäherung an diesen Kunstdialog zwischen Romantik und Gegenwart erleichtern.

Alte Nationalgalerie, bis 9. Mai

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