Kultur : Stimme des Volkes

Zum 80. Geburtstag von Mikis Theodorakis

Ulrich Amling

Der Sirtaki, natürlich. Den hat er erfunden für seinen Freund Anthony Quinn, als Variation auf einen alten kretischen Volkstanz. Zorbas tanzte sich in Trance – und sein Komponist Mikis Theodorakis avancierte zur griechischen Ikone. Populär sein im besten Sinne des Wortes, bei der bedrängten Masse der kleinen Leute stehen, danach strebt er. Die Macht der Musik entdeckt Theodorakis in einem Propagandafilm der deutschen Besatzer, mit Beethovens „Ode an die Freude“. Ihrer Verheißung folgt er, kämpft im griechischen Bürgerkrieg auf Seiten der Kommunisten, verliert seinen Bruder und viele Freunde, stirbt selbst beinahe im Gefangenenlager. Als während der Olympiade in Athen 2004 griechische Athleten des Dopings überführt werden und das Land in Trauer versinkt, meldet sich Theodorakis trotzig aus dem Krankenhaus: „Ich habe mein Doping mit 18 bekommen, und das hält ein Leben lang. Es ist das Doping der linken Politik und des Kommunismus.“

Seine Kunst wird dabei immer wieder zum Requiem für Weggefährten. Der Film „Z – Anatomie eines politischen Mordes“ erinnert an den Freund und Oppositionspolitiker Lambrakis. Theodorakis steuert die Musik dazu bei. Hausarrest und Verbannung bedrohen ihn während der Militärdiktatur. Im Pariser Exil komponiert er Nerudas „Canto General“. Nach dem Sturz der Generäle wird der Musiker, Komponist und Dirigent begeistert in Griechenland empfangen – und beginnt eine schillernde politische Karriere, die ihn von der KP über die Sozialisten bis hin zu den Konservativen führt. Überall eckt der „kretische Dickschädel“ an, fordert etwa ein zweites Kulturministerium nur für die Musik und scheitert mit einer großen Werkschau nach antikem Vorbild zu Füßen der Akropolis.

Doch Theodorakis steht immer wieder auf, stimmt seine frühen Lieder an (gerade als „First Songs“ bei Intuition erschienen) und wäre noch einmal dabei, wenn es zu einem Volksaufstand kommen sollte – trotz allem. „Die schönste Musik, die ich gehört habe, ist die Musik der Massen, wenn alle zusammen mit einer Stimme singen, und sogar der gewaltsamste Schrei sich in innerer Ruhe auflöst.“ Zu Ehren des Nationalhelden gibt es in diesem Jahr 150 Theodorakis-Konzerte in Griechenland. Und zum morgigen 80. Geburtstag tanzen die Dorfbewohner von Galata auf Kreta für ihn. Sirtaki!

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