Stimmen zum Tod von Ralph Giordano : "Einer, der sich zeitlebens eingemischt hat"

Ein Kämpfer, ein Mahner, ein streitbarer Geist - und das Gewissen einer Generation: Reaktionen von Gauck, Grütters, Wallraff und anderen auf die Nachricht vom Tod des Publizisten Ralph Giordano.

Ralph Giordano, 23. März 1923 - 10. Dezember 2014 Foto: dpa
Ralph Giordano, 23. März 1923 - 10. Dezember 2014Foto: dpa

„Seine mahnende und streitbare Stimme wird Deutschland sehr fehlen,“ sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tod des Schriftstellers Ralph Giordano. Mit seinem Tod verliere die politische Kultur in Deutschland einen wirkmächtigen und streitbaren Protagonisten. Der aus einer jüdischen Familie stammende Giordano, so Grütters, habe "leidenschaftlichen Anteil an der politischen Debatte zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus" genommen und keinen Konflikt dabei gescheut.  Besonders sein Buch „Die zweite Schuld“ stehe für seine unmissverständliche Haltung gegenüber dem damaligen Unwillen breiter Teile der deutschen Öffentlichkeit, sich mit den Naziverbrechen zu beschäftigen. Giordano sei "zum Vordenker einer Haltung geworden, die uns Deutschen zu einer selbstkritischen und auch strengeren Aufarbeitung unserer Geschichte ermutigt hat." Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Giordano als "wortgewaltigen und streitbaren Aufklärer, einen engagierten Schriftsteller und einen leidenschaftlichen Demokraten“. „Mit seiner literarischen und publizistischen Arbeit und seiner Begabung zum pointierten Zwischenruf hat er unser Land wesentlich mitgestaltet", so Gauck.

Günter Wallraff: "Es gibt niemanden, der ihn ersetzen kann"

Dieser Tenor überwiegt in den zahlreichen Reaktionen auf die Meldung, dass der Publizist mit 91 Jahren in Köln gestorben ist. Jürgen Roters, Oberbürgermeister von Köln nannte ihn einen "glaubwürdigen Mahner", der das Gewissen einer ganzen Generation" verkörpert. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, wo Giordano geboren wurde, würdigte ihn als "streitbaren Geist, der sich zeitlebens in die großen Debatten unserer Gesellschaft eingemischt hat.“ Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betonte, dass Giordano seine Meinung auch dann unmissverständlich formulierte, wenn es unbequem war. Und der Journalist Günter Wallraff glaubt, dass es niemanden gibt, der ihn ersetzen könnte.

WDR-Intendant Tom Buhrow erinnerte daran, dass der Kämpfer Giordano die Deutschen "immer wieder dazu getrieben hat, unbequeme Themen zu diskutieren und eigene Standpunkte zu hinterfragen“. Auch NDR-Intendant Lutz Marmor nennt ihn einen "engagierten Streiter für Freiheit und Menschlichkeit“. Helge Malchow, Verleger von Kiepenheuer & Witsch, wo Giordanos Bücher erschienen schlug persönliche Töne an: „Er war uns allen, den Mitarbeitern des Verlags und vielen Autoren ein
Freund, den wir nie vergessen werden.“ Tsp/dpa

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