Kultur : Stölzls Sparpläne: Proteste von Barenboim und der Kunstszene

Daniel Barenboim wundert sich über die Äußerung von Berlins Kultursenator Christoph Stölzl, es habe keine "bindende Zusicherung des Senats" für eine Finanzaufstockung der Staatskapelle um 3,5 Millionen Mark gegeben. Die Staatsoper veröffentlichte dazu einen Brief des damaligen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin zum Vertragsabschluss mit Barenboim 1991. Darin heißt es, das Land sei "im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten" bemüht, "eine Angleichung des Etatvolumens an das vergleichbarer Häuser" zu erreichen. Dies sei Barenboim auch bei einem Spitzengespräch mit Bürgermeister Eberhard Diepgen zugesagt und vor einem halben Jahr "mündlich bekräftigt" worden. Dazu die Berliner Kulturverwaltung: "Es handelt sich offenbar um eine fast zehn Jahre alte Bemühenszusage." Einen entsprechenden Senatsbeschluss habe es aber nie gegeben. Gleichzeitig relativierte Barenboim seine Forderung, indem er betonte, es handele sich "nur noch um eine politische Summe". Erneut bekräftigte der 57-jährige Opernchef seine Verbundenheit mit Berlin: "Ich musiziere ja nicht mit Kultursenator Christoph Stölzl, sondern mit der Staatskapelle. Da fühle ich mich wohl". Sollte Stölzl jedoch die Staatsoper mit der Deutschen Oper zusammenlegen wollen, könne in Berlin "nur noch von einer hohen Kunst die Rede sein - der des Sparens".

Auch die freie Berliner Kunstszene wehrt sich erneut gegen Stölzls Sparpolitik. In einer vom Rat der Künste unterstützten Stellungnahme heißt es, mit dem noch zu verabschiedenden Kulturhaushalt für 2001 werde den zeitgenössischen Künsten der Boden entzogen. Die angedachten Kürzungen in der Künstler- und Projektförderung seien ein weiterer Schritt, um die Berliner Kulturlandschaft auf Repräsentation, Highlights und aristokratische Gesellschaftsspiele einzuschwören.

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