Kultur : Störmanöver

Zum Tod des Designers Stefan Wewerka.

Für schräge Ideen war Stefan Wewerka immer gut. Der als Spross einer Künstlerfamilie in Magdeburg geborene Designer und Architekt verstand es früh, den Dingen einen anderen Dreh zu geben. In den 60er Jahren brachte er im Zuge des Fluxus die Möbel aus der Balance. Da konnten bei ihm schon mal Stühle aus der Wand wachsen. Sein Markenzeichen wurde das Zerschnittene, Verzerrte, Schiefe. Für ihn waren diese Möbel-Verrenkungen im besten Sinne Störmanöver gegen gewohnte, verbrauchte Seh- und Lebensformen.

Trotzdem verlor Wewerka auch als freier Künstler die Benutzbarkeit seiner Objekte nie ganz aus dem Blick. Bei der Klassiker-Firma Tecta entwickelte der Querdenker in den Sechzigern den bis heute produzierten Dreibeiner B1, der bis zu sieben verschiedene Positionen erlaubt. Sich diese Freiheit zu nehmen, das hatte er bei Hans Scharoun gelernt, bei dem der Max-Taut-Schüler seine erste Stelle antrat. 1987 kehrte das Multitalent – Wewerka drehte außerdem Filme, entwarf Mode und Schmuck – für die Documenta 8 in Kassel noch einmal zu seinem Ursprungsberuf zurück und schuf einen Pavillon, der Architektur und Skulptur vereint. Er steht heute am Aasee in Münster und dient der dortigen Kunsthochschule als Ausstellungsraum. Am 14. September ist der Künstler in Berlin gestorben, kurz vor seinem 85. Geburtstag. NK

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