Kultur : Stoff zum Träumen

Die Galerie Leo.Coppi feiert den 80. des Malers Harald Metzkes

Thea Herold

Es passt in die Kunststadt Berlin, dass eine ganz unbestreitbar museale Aufgabe von privater Leidenschaft getragen wird. Wegbegleiter und Freunde begehen den 80. Geburtstag von Harald Metzkes deshalb mit einer neuen Ausstellung und frischem Katalogbuch. Es macht Sinn. Denn kulturpolitische Schieflagen, zu denen der verflossene Ost-West-Akademiestreit und Metzkes Austritt aus der Akademie der Künste gehört, verlieren angesichts der Bilder jegliche Bedeutung und weichen restlos der Faszination, die einen vor seinen Arbeiten ergreift.

Die kleine, auf den Punkt gebrachte Auswahl in der Galerie Leo.Coppi spielt ganz anders und virtuos mit den Gegensätzen von Vergessen und Erinnern: Hier hat ein Mann über sechs Jahrzehnte seine Bilder gemalt. Das klingt lapidar. Doch wie sehr ringt Metzkes mit sich und den Zeitläufen und wie viel Gestaltungswillen kostet es ihn, damit Arbeiten aus den Fünfzigern und Sechzigern wie die heutigen noch immer etwas zu sagen haben! Man vergleiche nur einmal die „Lesende“ von 1956 mit der „Lesenden“ von 2008. Das frühe Bild hat Metzkes, so sagt er, „damals ja schon irgendwie ausbruchsähnlich gemalt. Und ich hatte schon Angst davor, dass mir doch nichts Besonderes gelungen ist. Also stellt man es ein paar Jahre ins Regal und wartet. Nach zwanzig Jahren hab ich es dann gerahmt, aber immer behalten. Beim Rahmen durchläuft ja jedes Bild noch mal eine andere ästhetische Phase. Aber dann dachte ich: Ganz schlecht war es nicht.“

Letztes Jahr dann „Die Lesende“ draußen im Gartenstuhl. Goldig der Vordergrund, mit Anklängen an Cezanne, Corinth, Tintoretto, aber doch hier und jetzt, wie Metzkes den Stoff gleißend über die Knie fließen lässt, wie alles changiert, krautscht und leuchtet. Die Lehne des Stuhls scheint in den schattigen Garten hineinzuwachsen, in dessen Tiefe Zeit und Raum versinken, so wie die Lesende selbstvergessen in ihrer Lektüre. Auch der Betrachtende selbst versinkt in Metzkes Welttheater.

Mit jeder Arbeit erzählt die Ausstellung vom Dreisatz aus Beobachtungsweisheit, verdichtender Malfreude und Könnerschaft. Es ist ein Glück, wie hier noch nie gezeigte Studien und Arbeiten auf Papier neben den Meisterbildern (1500-20 000 €) das große Ergebnis mit dem allmählichen Prozess der Annäherung verbinden. Und es ist eine Lehrstunde zu sehen, wie sich Metzkes mit Rohrfeder, Kreide, Feder oder Aquarellfarben in seine Bildwelten hineinsieht und hineinmalt.

Weshalb seine Bilder aus jungen Jahren so klassisch, mal schwerpfotig und manchmal hermetisch, seine jüngeren Bilder auch klassisch, aber vibrierend offen und leichthändig wirken? „Nun war ich in der jungen Phase meines Lebens doch mit Totalitäten in vielerlei Hinsicht überfrachtet. Alles und jedes war immer ganz existentiell. Heute zeigt sich ja doch irgendwie, dass in der Welt eben nie alles so einfach erklärbar ist. Vielleicht, weil es in letzter Instanz auf dem Rätsel und dem Geheimnis der Existenz beruht. Egal was man da hineinsieht oder nicht hineinsieht. Es steckt für mich nun etwas so ganz Zauberhaftes darin."

Mit Understatement der Extraklasse hat der Souverän der „Berliner Schule“ und gebürtige Sachse fraglos den Beweis erbracht, dass sich am Geheimnis guter Malerei bis heute nichts geändert hat.

Galerie Leo.Coppi, Auguststraße 83; bis 21.3., Di-Sa von 12-18 Uhr.

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