• Stolperstein "Lolita": Warum Kubrick nach eigener Meinung mit der Verfilmung von Nabokovs Roman gescheitert ist

Kultur : Stolperstein "Lolita": Warum Kubrick nach eigener Meinung mit der Verfilmung von Nabokovs Roman gescheitert ist

In einem Interview hat der Filmemacher Stanley Kubrick erklärt, warum er, seiner Meinung nach, mit der Verfilmung von Vladimir Nabokovs "Lolita" gescheitert sei. Wegen der moralischen Schranken der amerikanischen Filmindustrie, fragte ich. Nein, sagte Kubrick, wegen der zu großen sprachlichen Qualität des Werks. In der Tat ist der bei seinem Erscheinen 1955 als pornografischer Skandal empfundene Roman des damals bereits Amerikanisch schreibenden Exil-Russen Nabokov ein Meisterwerk: Die Beichte des pädophilen Mörders Humbert Humbert (er erschlägt seinen erfolgreichen Nebenbuhler in der Gunst seines "Nymphchens Lolita"), ist eine tragisch groteske Geschichte von Verfallenheit und Zerstörung, auch ein grandioses Zeugnis sprachlichen Verfallenseins: Das beginnt mit der obszönen Lautmalerei des Namens Lolita: "die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo.Li.Ta." Der verdienstvolle Herausgeber und Übersetzer Nabokovs Dieter E. Zimmer hat "Lolita" schlüssig und prägnant so beschrieben: Es sei "die Geschichte eines Mannes, der der unerreichbaren Schönheit der Unreife nachjagt, und einer Leidenschaft, die sich vor allem darum nicht erfüllen kann, weil sie zerstören muss, was sie in Besitz nimmt." Passagen von kichernd höhnischer Ironie und parodistischem Sarkasmus wechseln mit Ausbrüchen versessener Leidenschaft und Denkspielen kriminalistischer Logik. Die Geschichte einer Flucht durch Motels schildertdie verdorbene Mobilität der amerikanischen Gesellschaft und wird kontrastiert mit der grotesk moralischen Idylle von Suburbia, der Vorstädte, wobei Nabokovs Roman beispielsweise in dem Sam-Mendes-Film "American Beauty" ein zeitgenössisches Echo findet.

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