Kultur : Stolz und Mut auf heiligem Grund New York: Vier Mal Kultur für Ground Zero

Matthias B. Krause

Wenn es darum geht, Ground Zero im Gespräch zu halten, macht der Lower Manhattan Development Corporation so schnell niemand etwas vor. Bei jeder Gelegenheit jagt ihr PR-Team eine Meldung in die Welt, ob es sich nun um die Rückkehr des Wochenmarktes an das weltberühmte Loch im Herzen New Yorks handelt oder um die regelmäßigen Sitzungen des Vorstands. Entsprechend großspurig fiel die Präsentation der vier Institutionen aus, die das kulturelle Leben am Fuß des von Daniel Libeskind entworfenen Freedom Towers gestalten sollen. Der Boden, auf dem bis zum 11. September 2001 die beiden Türme des World Trade Centers standen, sei „heiliger Grund“, sagte Gouverneur George Pataki: „Wir wollten Kulturinstitute, die unseren Stolz und unseren Mut repräsentieren.“

Doch die Kritiker haben sich längst formiert: Sie sehen nur öde Mittelmäßigkeit. Viele Varianten waren zuvor im Gespräch gewesen, mehr als 100 Theater, Museen und Galerien hatten sich beworben. Den Zuschlag erhielten das „Joyce Theater“, die „Signature Theater Company“, das „Drawing Center“ und das „Freedom Center“ – bis auf letzteres allesamt Unternehmen mit solidem Ruf und von mittlerer Größe. Das „Freiheitsmuseum“, nicht zu verwechseln mit der zusätzlich geplanten Gedenkstätte für die Anschlagsopfer, ist bislang nur ein Papiertiger. Bis 2010 jedoch soll eine Einrichtung entstehen, die sich dem Freiheitsgedanken widmet. Sie wird sich mit dem „Drawing Center“, das bislang in SoHo Ausstellungen organisiert, ein Gebäude teilen.

Großer Verlierer des Vergabe-Rennes indes war die New York City Opera, die am Ground Zero ein Haus mit 2200 Plätzen erträumt hatte. Derzeit residiert sie in einem akustisch völlig ungeeigneten Teil des Lincoln Centers. Eine Oper dieser Größenordnung zu bauen, war den Verantwortlichen offenbar jedoch zu riskant. Stattdessen entschied man sich in einem vielfach als undurchsichtig kritisierten Verfahren, jedem ein bisschen zu geben: Einen Ort, an dem Touristen nach dem Besuch der Gedenkstätte Zerstreuung finden können, einen Bereich, in dem Hinterbliebene ihre Angehörigen geehrt sehen, eine Service-Einrichtung für die Nachbarschaft und natürlich eine neue Top-Adresse für die New Yorker Kulturszene.

Ob dieser Spagat gelingen kann, ist derzeit ebenso ungewiss wie die Finanzierung des Projekts. Für die nächsten sechs Monate werden drei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, damit die Pläne Gestalt annehmen. Danach müssen sich die Bewerber um eine Anschubfinanzierung bemühen, um selbst Spenden sammeln zu können. Mit den Kosten für die Gedenkstätte beläuft sich die Summe für das Kulturzentrum auf rund 600 Millionen Dollar. Nur knapp die Hälfte davon soll aus staatlichen Quellen fließen.

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