Kultur : Stolze Sonne, schimmernder Mond

OPER

Sybill Mahlke

In der Kassenhalle herrscht das Chaos, bis die Deutsche Oper voll besetzt und die lange verloren geglaubte Hochstimmung plötzlich wieder da ist. Berlin behält seine drei Opern. Ein Fest im Premierenfieber, jeder spürt, dass die Zeichen auf Neuanfang stehen. Nobel rühmt der scheidende Intendant Udo Zimmermann die Politik als Retterin der Opernlandschaft, eine Dankbarkeit ungeachtet eigener Enttäuschungen. Antje Vollmer schildert das Zittern um das gefährdete Haus. Nun heißt die frohe Botschaft: „Das Nichtschließen einer Oper – das ist ein politisches Symbol.“ Die Künstler auf der Bühne zeigen sich bewegt wie das Publikum, darin viele Mitglieder des Förderkreises.

Christian Thielemann tritt vor den Chor und das Orchester der Deutschen Oper, um „Die Schöpfung“ von Haydn zu dirigieren. Das ist eigentlich nicht seine Musik wie Pfitzner und Wagner. Bei großer Besetzung (14 Erste Violinen) sucht er weniger das spieltechnische Detail als das theaterwirksame dynamische Extrem. Wenn das stolze Andante des Sonnenaufgangs dem stillen Adagio des schimmernden Mondes weicht, ist der Romantiker ganz bei sich. Versteht sich, dass alle Mitwirkenden an einem solchen Abend hoch motiviert sind. Zauberhaft illustriert die Klarinette den Morgengruß der Lerche wie das Fagott die girrenden Tauben.

Höhepunkt ist das Lied der Nachtigall, weil für deren „süße Kehle“ Claudia Barainsky einsteht. Trillernd, verzierend, jubilierend tönt dieser Gesang, Phänomen einer kleinen, aber musikalisch intelligent geführten Stimme, die trägt. Neben dem versierten Christoph Prégardien fesselt Reinhard Hagen : der wahre Rezitator, der uns die Schöpfungsgeschichte erzählt.

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