Kultur : Stop the war! Grass, Le Carré und Walser warnen

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Unter westlichen Intellektuellen verschärft sich der Protest gegen die IrakPolitik der USA. Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat in einer Mitteilung an die Deutsche Presseagentur den USA zum wiederholten Mal Heuchelei vorgeworfen und der Bush-Regierung reine Öl-Interessen und einen „gewollten“ Krieg nachgesagt. Nun häufen sich weitere kritische Stellungnahmen. Der englische Thriller-Autor John Le Carré vermutet, „die Vereinigten Staaten sind verrückt geworden“, und spricht in der Londoner „Times“ von einem „beutegierigen und unaufrichtigen Krieg“. Es gehe am Golf nicht um eine „Achse des Bösen“, sondern „um Öl, Geld und Menschenleben“. Saddam Husseins mögliche Vernichtungswaffen seien „Peanuts“ im Vergleich zu dem, was „Israel und die USA innerhalb von fünf Minuten auf ihn feuern könnten“. Salman Rushdie kritisiert die amerikanische Politik der Einschüchterung und die Pläne für eine Übergangsstrategie nach dem Sturz von Saddam Hussein. Dennoch appelliert er, sich den Amerikanern und Briten anzuschließen, um die Welt von diesem „widerlichen Despoten“ zu befreien – vorausgesetzt, die Vereinten Nationen stimmen zu. Anders äußert sich Martin Walser: Seiner Ansicht nach müssten die Länder Europas die USA gemeinsam dazu bringen, von ihren Plänen abzurücken. Den „Kriegsführungswillen Amerikas“ nennt Walser „historisch verhängnisvoll“. Für ihn ist Krieg „immer ein Eingeständnis des Versagens der Politik, ganz egal, welches Motiv man hat“. Weitere Publizisten, Politiker und Wissenschaftler warnen in einer „Berliner Erklärung“ von dem Irakkrieg. Der „Krieg gegen den Terrorismus“ sei zum Scheitern verurteilt, wenn er „immer neue Gewalt über unschuldige Menschen bringt“ und „Gefühle des Hasses und der Rache“ nähre. Mit der Erklärung solle ein weltweites Bündnis von Kriegsgegnern geschmiedet werden – rund 1000 Unterschriften seien schon vorhanden. Die Initiatoren, unter ihnen Grass, Erhard Eppler, Peter Glotz und Friedrich Schorlemmer, rufen zu einer Friedensdemonstration am Montag vor der Berliner Humboldt-Universität auf. Außerdem sind am 15. Februar Großdemonstrationen gegen einen Irakkrieg unter anderem in Berlin, Paris, Rom und London geplant. Tsp

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