Kultur : Stoppelbrust und Stoppelbein Best of 20 Jahre Fil

im Mehringhof-Theater.

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Mann des Volkes. Philip Tägert, genannt Fil, scherzt sich so durch. Foto: Promo
Mann des Volkes. Philip Tägert, genannt Fil, scherzt sich so durch. Foto: Promo

Nee, ne? Kann ja nich’. Echt, Alter? Boaah, ey, Fil soll’s schon 20 Jahre geben?! Scheiße schwer zu glauben, aber voll wahr. Immerhin läuft die im eben angespielten typischen Sound über die Bühne gehende Jubiläumsshow „Best of Fil“ seit Mittwoch im Mehringhof-Theater. Sie zeigt einen repräsentativen Querschnitt aus dem unseriösen Schaffen des abgebrochenen Kunstmalers, erfolgreichen Comiczeichners, mäßigen Gitarristen und herzerwärmendsten Heimatbarden, den diese Stadt in der Spaßsparte neben Rainald Grebe so hat.

Seelisch und figürlich sind die Jahre gnädig mit dem 1966 geborenen Philip Tägert – früher Punker im Märkischen Viertel, heute Papa in Prenzlauer Berg – umgegangen. Gleich zu Beginn der Show zeigt er als „Käpt’n Emo“ Stoppelbrust und Stoppelbein und erzählt aus den guten alten Achtzigern, als ein Bandname wie Chickenfucker noch als pfiffig galt und Popsongs überbaulose Ansagen wie „I skate“ statt heulsusigen Metapherndreck wie „Mit Augen aus Steinen kannst du nicht weinen“ verbreiteten.

Schön und wahr auch sein Eingangsstatement zum Recycling-Programm. „Alle meine Freunde arbeiten nur noch und kaufen sich fucking Bauernhöfe in Brandenburg – da hab’ ich gedacht, einer muss anfangen, mit der Arbeiterei aufzuhören und diese Show aus altem Zeug gemacht.“ Inklusive Perlen wie „Mein Kind ist geiler als dein Kind“, dem Mozart- Song „Marzart“, zu dem ihn ein Auftritt beim Marzahner Plattenfest inspirierte, der durch Publikumsrufe befeuerten Auferstehung von Sharkey, Fils eingemottetem Stoffhai und einigen durch Fil-Verfransungen ausgelöste Durchhänger. Trotzdem und sowieso: Die alte Hippe Fil ist komisch, klug, doof, böse, lieb, aber vor allem herzlich und taufrisch. Genau die Art von schrabbeligem Volksdichter (linker: Volxdichter), die Berlin verdient hat. Seit 20 verdammten Jahren schon. Respekt, Alter, Respekt. Gunda Bartels

Bis 17. November, Mi-Sa 20 Uhr

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