Kultur : Stottertanz Philipp Gehmachers Performance im HAU 2

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Ein Arrangement aus Holzbalken, Decken und Neonröhren. Verstreut liegen und stehen die Objekte auf der Bühne des HAU 2. Versprengt wirken auch die Körper in Philipp Gehmachers Performance „in their name“. Das Grundthema seiner Arbeit sei das Verhältnis zum anderen, hat der österreichische Choreograf einmal erklärt. Auch hier suchen er und seine zwei Mitperformer nach Berührungspunkten und verfehlen einander doch – in Gesten und in einem Sprechen, das manchmal keinen Adressaten hat.

An Kaler, derzeit eine gefragte Performerin, eröffnet den Abend mit einem berührenden Solo, das eine präzise Studie der Einsamkeit ist. Die jungenhafte Tänzerin ist eine Expertin für das – auch geschlechtlich – Uneindeutige. Zögerlich hebt sie den linken Arm, berührt mit der Hand die Stirn, hält inne. Dies ist kein Moment der Selbstvergewisserung, sie ist sich selbst eine Fremde. Sie will aus ihrer Haut heraus, doch die manchmal zackigen Gesten greifen immer wieder ins Leere. Sie streichen sich aus.

Philipp Gehmacher ist bekannt für seinen „stotternden Tanz“, für sperrige, geradezu abweisende Bewegungen. Abrupt hebt er einen Arm, als würde der nicht zu ihm dazugehören. Er sinkt auf die Knie und kippt vornüber, bis er mit dem Kopf den Boden berührt. Wuchtig, fast schon pathetisch, diese nach innen gerichtete Aggression. Die Umarmungen widerfahren ihm eher, als dass er sie sucht – und sie haben oft etwas von einem Überfallkommando.

Wenn er sich Rémy Héritier in die Arme wirft, kann der ihn nicht halten. Alles wirkt disparat und desolat. Auch die bruchstückhaften Texte und Erzählungen stiften keinen Zusammenhalt. Gehmacher zitiert wiederholt sich selbst, doch spannend ist die Konfrontation mit den beiden anderen Tänzern, die sein Material anders auslegen.

Der Abend steht im Zeichen der Vergeblichkeit. Am Ende erzählt Gehmacher von einem alten Mann, der alles hinter sich gelassen hat: das Begehren, die Zweifel, die Überzeugungen. „In their Name“ wirkt fast schon wie das Bild einer vor der Zeit gealterten Generation. Und man denkt an Bob Dylans Seufzer: „Ah, but I was much older then.“ Sandra Luzina

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