Kultur : Strammgestanden! Flaggenfetischistisch: Rod Luries

Martin Schwickert

Als der Drei-Sterne-General Irwin (Robert Redford) eingeliefert wird, geht ein Raunen durch die Belegschaft der Militärhaftanstalt. Gefangenschaft in Vietnam, Kriegsheld am Golf und in Bosnien - da stehen die Mithäftlinge fast von selber stramm, obwohl gegenseitiges Salutieren unter den degradierten Soldaten strengstens verboten ist. Gefängnisdirektor Colonel Winter (James Gandolfini) hingegen ist ein uniformierter Sesselpupser ganz ohne Fronterfahrung. In seinem mahagonifarbenen Büro hoch über dem Gefängnishof lauscht er klassischen Klängen und poliert seine kostbare Devotionaliensammlung. Den hochdekorierten Gefangenen begrüßt er respektvoll. Als Irwin jedoch eine herablassende Bemerkung zur Waffenkollektion des Direktors macht, nimmt Winter den Fehdehandschuh auf.

Zwei Kinostunden lang beharken sich nun die beiden Alpha-Tierchen. Während der Colonel in Uniform mit eiserner Hand den Knast regiert, organisiert der General im Blaumann den Aufstand gegen das Unrechtsregime. Irwin baut sich eine Gefängnisarmee auf und gibt den gebrochenen Ex-Soldaten dadurch ihre militärische Würde zurück. Nur - wozu das Ganze? Wenn am Ende Irwins Blechbüchsenarmee das Gefängnis generalstabsmäßig erobert hat, stehen alle in Reih und Glied vor der vaterländischen Fahne stramm, anstatt den Gefängnismauern zu entfliehen.

Knastfilme leben vom Kontrast zwischen strenger Ordnung und Befreiungssehnsüchten. Regisseur Rod Lurie transformiert in "Die letzte Festung" den Genreanarchismus in patriotische Ehrpinselei und infantilen Flaggenfetischismus. Dabei birgt der Stoff - ähnlich wie Oliver Hirschbiegels "Experiment" - die Chance auf eine spannende Verhaltensstudie. Da mag sich James Gandolfini ("The Mexican") noch so sehr um Kopf und Kragen spielen - gegen das Drehbuchklischee des kultivierten Knast-Despoten kann er nichts ausrichten. Und Robert Redford ruht sich ohnehin nur mit der Gelassenheit eines Frühpensionärs auf seinem Leinwandcharisma aus.

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