Kultur : Straßenhändel

Die Kunstmessen in Köln und Brüssel treten weiterhin als Konkurrenten an.

Perlenspiele.
Perlenspiele.

200 Galerien aus 25 Ländern zeigen Kunst von der Klassischen Moderne bis in die Gegenwart. Julia Stoschek lässt sich temporär mit ihrer exzellenten Videosammlung in den Messehallen nieder. Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Kunstvereine zeichnet den NBK und damit Marius Babias für seine Arbeit in der Hauptstadt aus. Und über allem thront stolz Art-Cologne-Direktor Daniel Hug: Manchmal möchte man doch ein bisschen weinen, wenn man von Berlin aus die Steilkurve der Kölner Kunstmesse verfolgt. Nach ein paar Jahren, in denen ihre Zukunft ähnlich unsicher war wie die des Art Forums Berlin, vermeldet der rheinische Handeslplatz nun regelmäßig kleine Sensationen. Die renommierte Galerie von Helga de Alvear (Madrid) bringt Arbeiten von Katharina Grosse, Santiago Sierra oder Slater Bradley nach Köln, Henze und Ketterer aus Bern haben das „Straßenbild vor dem Friseurladen“ von Ernst Ludwig Kirchner im Gepäck, das 1926 entstanden ist und 3,75 Millionen Euro kosten soll. Und Marlborough Fine Art schickt aus London seinen jungen Ableger Marlbourough Contemporary – der mit dem Liverpooler Künstler Laurence Kavanagh gleich eine „New Positions“-Förderkoje belegt.

Als gute Nachricht wird auch die Verkürzung der Messe um einen Tag gefeiert. Man habe, so Hug, aus intensiven Befragungen herausgehört, dass es die Galeristen gern knapper hätten. Mit der offiziellen Eröffnung am Freitag, 19. April, und dem letzten Publikumstag am folgenden Montag reagiert man allerdings zugleich auf eine Konkurrenzsituation: Am selben Wochenende findet in Belgien die jüngere Art Brussels statt. Man kann das als Synergie verkaufen, schließlich sind Brüssel und Köln nur gut 200 Kilometer voneinander entfernt und von Sammlern mit Durchhaltevermögen sehr wohl beide zu besuchen. Man kann aber auch den Kopf darüber schütteln, dass sich zwei nahezu benachbarte Städte auf dem harten Messemarkt bekriegen.

Für die Galerien ist es eine schwierige Situation. Die wenigsten wie Marlbourough, Axel Vervoordt aus Antwerpen oder die Wiener Institution Nächst St. Stephan können sich beide Standorte leisten – finanziell wie vom Programm her, das natürlich an beiden Orten spektakulär sein soll. Vor allem die deutschen Galerien wählen in dieser Situation das sichere Pflaster: Von den knapp 200 Teilnehmern der Art Cologne stellen sie aktuell über die Hälfte. Und auch Berlins Galeristen, die in der Vergangenheit auffallend stark in Brüssel vertreten waren, positionieren sich nun lieber am Rhein, Thomas Fischer, Croy Nielsen und das Grimmuseum ausgenommen, die sich erstmalig für Brüssel entschieden haben. Guido Baudach, Martin Klosterfelde und Neu sind nach längerer Abstinenz ebenfalls in Köln wieder dabei, Peres Projects probieren den Handelsplatz zum ersten Mal aus.

Sie werden aller Voraussicht nach nicht enttäuscht werden. Im vergangenen Jahr kamen 60 000 Besucher, darunter viele Sammler, die wie Julia Stoschek das Rheinland samt Umgebung weiterhin als Standort schätzen. Für Anbieter moderner Klassiker ist Köln ohnehin immer erste Adresse geblieben. Galerien wie Thomas (München) mit Lyonel Feininger, Karsten Greve, Moeller Fine Art oder Ludorff aus Düsseldorf (Emil Schumacher, Alex Katz) zehren davon. Aus Berlin bringt Aurel Scheibler das Bild „Schwarze Kette Grün zu Rot“ von Ernst Wilhelm Nay (330 000 Euro) mit und eine „Raumplastik“ Norbert Krickes aus den Fünfzigerjahren für 110 000 Euro. Zwei Künstler, für die die Art Cologne ein Heimspiel ist. Christiane Meixner

www.artcologne, 19.-22.4. / www.artbrusels.de, 18.-21.4.

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