Streik des Staatsballett Berlin : Die Fronten im Tarifkonflikt bleiben verhärtet

Acht Ballettabende sind bereits ausgefallen, der Verlust wird auf rund 250000 Euro geschätzt: Im Tarifstreit des Staatsballett Berlin geht es keinen Schritt voran.

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Solisten und das Corps de ballet vom Berliner Staatsballett.
Solisten und das Corps de ballet vom Berliner Staatsballett.Foto: Fernando Marcos

Eine nervenaufreibende Spielzeit liegt hinter dem Staatsballett Berlin. Am Sonntag wurde die letzte Vorstellung des Balletts „Die Bajadere“ in der Deutschen Oper bestreikt. Insgesamt sind seit April acht Ballettabende ausgefallen. Der Verlust wird auf rund 250 000 Euro geschätzt. Bis zuletzt ist keinerlei Bewegung in den Konflikt um einen Hausvertrag für die Tänzer gekommen, denn die Geschäftsführung verweigert jedes Gespräch mit der Gewerkschaft Verdi. „Man wünscht keinen starken Partner an unserer Seite“, beklagt einer der Tänzer, die der Tarifkommission angehören.

Dies ist der Kern des Konflikts: Traditionell sind die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und die Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) Verhandlungspartner für die Arbeitgeber. Aber seit vergangenem Jahr hat Verdi großen Zulauf aus dem Staatsballett. Fast alle 72 Tänzer gehören inzwischen der Gewerkschaft an. Sie haben Verdi schon im vergangenen Jahr aufgefordert, mit der Stiftung Oper in Berlin und dem Deutschen Bühnenverein einen Haustarifvertrag auszuhandeln, der auf die Besonderheiten des Staatsballetts zugeschnitten ist.

Der Streit hat bizarre Formen angenommen

Der Streit hat mittlerweile bizarre Formen angenommen. In einem offenen Brief, der in fünf Sprachen übersetzt wurde, warf die Leitung des Staatsballetts zuletzt den Tänzern vor, sie würden eine Einigung boykottieren und sich zum Spielball verschiedener Interessengruppen machen. Damit würden sie die Existenz des Staatsballetts zunehmend gefährden. Wer gegen wen agitiert, ist mittlerweile kaum noch zu verstehen, denn Georg Vierthaler, der Generaldirektor der Berliner Opernstiftung und Geschäftsführer des Staatsballetts, hatte sich bereit erklärt, die Forderungen der Tänzer zu erfüllen. Sogar ein „Zusicherungskatalog“ mit Gagenstruktur, Arbeits- und Ruhezeiten, freie Tagen sowie um Gesundheitsschutz wurde dem Ensemble ausgehändigt. Gespräche zwischen der Leitung und dem Ballettvorstand zu einzelnen Punkten des Forderungskatalogs haben stattgefunden – allerdings wurde die Tarifkommission angeblich ausgeschlossen.

Ziel ist es offenbar, Verdi draußen zu halten. Doch die Tänzer befürchten, über den Tisch gezogen zu werden und beharren deshalb darauf, zusammen mit Verdi zu verhandeln. Sie fühlten sich nicht ernst genommen, so die Vertreter der Tarifkommission, die sich nur im Beisein von Sabine Schöneburg äußern wollen. Die zuständige Verdi-Fachsekretärin deutet wiederum an, dass nun ein Schlichter angerufen werden müsse.

Welche Rolle spielt Staatsballett-Chef Nacho Duato?

Welche Rolle aber spielt der Leiter des Staatsballetts, Nacho Duato, in dieser Farce? Er lässt nicht nur Führungsqualitäten missen, sondern scheint auch künstlerisch ausgebrannt. Sein lustloses Agieren, vor allem die gestiegenen Belastungen treiben die Tänzer auf die Barrikaden. Sie haben nun ihren Sommerurlaub angetreten. Angesichts der verhärteten Fronten ist allerdings mit einer Fortsetzung des Konfliktes im Herbst zu rechnen.

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