Kultur : Streit in Schweden um Lindgren-Preis

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Der auf rund eine halbe Million Euro dotierte Astrid Lindgren Gedenkpreis für Kinderliteratur ist gestern im schwedischen Vimmerby an den japanischen Illustrator Ryôji Arai und den britischen Schriftsteller Philip Pullman verliehen worden. Der nach dem Tod der schwedischen Kinderbuchautorin im Januar 2002 vom Reichstag ins Leben gerufene Preis gilt als weltweit größte Auszeichnung für Kinderliteratur und soll Autoren unterstützen, die im Geiste Lindgrens arbeiten. Allerdings gerät in Schweden vor allem die Summe immer stärker in die Kritik. Den Steuerzahler kosten Preisgeld und Organisation der Verleihung rund eine Million Euro.

Die Einwände sind verständlich angesichts der schwedischen Arbeitslosenquote. Fragen werden laut, ob das Geld nicht sinnvoller einzusetzen wäre als zur Finanzierung von Autoren der gehobenen Mittelschicht. Zumal sich in den letzten Jahren im Vorzeigesozialstaat Schweden gerade für sozial schwache Kinder die Bedingungen verschlechtert haben. „Ich glaube, Astrid hätte niemals ökonomisch gut versorgte Erwachsene gegenüber Kindern bevorzugt, nicht einmal Kinderbuchschriftsteller,“ erklärte etwa die Schriftstellerin und LindgrenFreundin Margareta Strömstedt.

Kulturministerin Marita Ulvskog verteidigt den Preis wiederum als Würdigung des schwedischen Volkes für Lindgren. Aber auch wenn eine Förderung weltweiter Kinderliteratur dem Nachwuchs zugute kommt, stellt sich die Frage, wer sich Bücher überhaupt leisten kann. Es wäre eine bessere Würdigung Lindgrens, wenn gute Bücher gerade sozial schwachen Kindern leichter zugänglich gemacht würden. anw

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