Kultur : Streit um die „Andere Bibliothek“

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Hans Magnus Enzensberger will seine Herausgeberschaft der renommierten bibliophilen Buchreihe „Die Andere Bibliothek“ niederlegen. Gestern haben Enzensberger und sein Partner Franz Greno, der für die Buchgestaltung und herstellung der im Frankfurter Eichborn Verlag erscheinenden Reihe verantwortlich ist, in einem Rundschreiben an Autoren, Journalisten und den Verlag das Ende ihrer Arbeit für Ende September 2005 angekündigt. „Was lange währt, muss aber nicht ewig dauern“, heißt es in dem Schreiben, es scheine nach den Erfolgen der letzten Zeit – mehrere Bestseller und das weithin gefeierte Humboldt-Projekt – nun „der ideale Zeitpunkt gekommen, um dem Spiel ein Ende zu setzen“.

Matthias Kierzek, Verlagsleiter und Vorstand der Eichborn AG, zeigte sich gegenüber dem Tagesspiegel über das Schreiben erstaunt. Es gebe rechtskräftige Autorenverträge für die „Andere Bibliothek“ bis Herbst 2006. Zwar sei der Eichborn Verlag mit Enzensberger seit einigen Monaten über die Kündigung des Herausgebervertrags in Verhandlung. Aber die Kündigungsfrist von drei Jahren reiche bis Dezember 2007. Für die vorzeitige Beendigung des Vertrags gebe es keine rechtliche Grundlage.

Enzensberger, der am 11. November seinen 75. Geburtstag feierte, bezeichnete die Rechtslage hingegen als „strittig“. Er sei aber optimistisch, dass es „eine einvernehmliche Lösung“ geben werde.

Die „Andere Bibliothek“ startete 1985 mit aufwändig gestalteten, monatlich erscheinenden Liebhaberbänden im Franz Greno Verlag. 1989 kaufte Eichborn die Rechte an der Reihe. Immer wieder gelangen Enzensberger und Greno literarische Entdeckungen und Bestsellererfolge. In Sammlerkreisen werden einzelne Bände der Bibliothek mit Preisen von bis zu tausend Euro gehandelt. Die Gesamtauflage der „Anderen Bibliothek“ nähert sich den drei Millionen. Tsp

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