Streit um die Homo-Ehe : Hollywood droht Georgia mit Boykott

Der US-Staat Georgia will ein Gesetz zum Schutz von Kirchenvertretern erlassen, die Homosexuellen die Ehe verweigern. Jetzt droht Hollywood dem Filmproduktionsland mit Boykott.

Julianne Moor, hier bei der Oscar-Verleihung im Februar, ist eine von 38 Unterzeichnern des Protestbriefs gegen Georgia.
Julianne Moor, hier bei der Oscar-Verleihung im Februar, ist eine von 38 Unterzeichnern des Protestbriefs gegen Georgia.Foto: AFP/ Angela Weiss

Zahlreiche große Filmstudios, darunter Disney, Time Warner, 20th Century Fox und die Weinstein Company sowie 38 Filmschaffende drohen dem US-Staat Georgia mit einem Boykott, falls dort ein aus ihrer Sicht homophobes Gesetz in Kraft tritt. Das Gesetzt H.B. 757 sieht den Schutz von religiösen Organisationen und privaten Unternehmen vor, die sich weigern, Homosexuelle zu trauen oder ihnen Dienstleistungen für die Hochzeit zu verkaufen. So sollten dem Gesetz zufolge Kirchenvertreter gleichgeschlechtliche Trauungen abweisen können, wenn dies ihren religiösen Überzeugungen widerspricht, ebenso können Caterer, Tortenbäcker oder Blumenhandlungen ihre Dienste verweigern - immer mit Berufung auf den eigenen Glauben.

Der Gesetzesentwurf liegt dem republikanischen Südstaaten-Gouverneur Nathan Deal zur Unterschrift vor. Bis zum 3. Mai muss er darüber entscheiden. Die Unterzeichner des Offenen Briefs an ihn, darunter die Schauspielerinnen Anne Hathaway, Julianne Moore und Marisa Tomei, die Regisseure Rob Reiner, Lee Daniels. Seth MacFarlane und Gus Van Sant sowie die Produzenten Bob und Harvey Weinstein, forderten Deal zum Veto auf.

Der Fall ist kompliziert. Die Protestierenden fürchten, dass mit dem Gesetz der Diskriminierung Homosexueller und der Homo-Ehe Tür und Tor geöffnet ist - nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Juni 2015 entschied, dass die amerikanische Verfassung das Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen garantiert. Einzelne US-Staaten dürfen die Homo-Ehe demzufolge nicht verbieten. Gleichzeitig ist aber auch die Religionsfreiheit ein hohes Gut, besonders in den USA: Niemand darf gezwungen werden, gegen seinen Glauben zu handeln. Verfechter des Entwurfs „Free Exercise Protection Act“ sprechen deshalb auch vom Schutz der Glaubensfreiheit. Im Falle von Staatsangestellten dürfte das Gesetz gleichwohl höher stehen. Eine Standesbeamtin - wie in Kentucky geschehen - kann sich kaum weigern, zwei Männer oder zwei Frauen zu trauen. Aber wie ist es im Fall von Priestern, Tortenbäckern oder Floristen?

Die Boykott-Androhung hat so oder so großes Gewicht, denn laut "New York Post" ist Georgia, auch das "Hollywood des Südens" genannt, das drittwichtigste Filmproduktionsland der USA. An die 250 Filme würden hier pro Jahr realisiert - was einem Umsatz von sechs Milliarden Dollar entspreche. Allein 38 Projekte sind dort derzeit in Arbeit. Laut "Vanity Fair" gehören dazu die Serie "The Walking Dead" und "Guardians of the Galaxy 2" von den Marvel-Studios. Tsp (mit dpa)

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