"Strike a Pose" bei der Berlinale : Sex, Lügen und Video

Tanzen mit Madonna: Die Doku „Strike a Pose“ erzählt die Geschichte der Tänzer, die 1990 bei der Blond Ambition Tour den Höhepunkt ihrer Karriere feierten.

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Die Tänzer aus "Strike a Pose"
Die sechs Männer, die bei Madonnas Blond Ambition Tour tanzten und nun in "Strike a Pose" porträtiert werden.Foto: Linda Posnick

Die Masturbationsszene auf dem Bett, das Spiel mit religiösen Symbolen, die kegelförmigen Büstiers von Jean-Paul Gaultier, dazu Hits, Hits, Hits. Madonna war bei der Blond Ambition Tour von 1990 auf der Höhe ihrer Kunst. Großen Anteil am Erfolg dieser ikonischen Welttournee hatten die Tänzer, die die Sängerin ganz banal über eine Anzeige gefunden hatte. Sie sollten damals angesagte Stile wie Voguing und B-Boy einbringen. Sechs Männer Anfang 20 taten genau das – und wurden eine Zeitlang selbst berühmt.

Wie es ihnen heute geht und wie sie sich an die Zeit mit Madonna erinnern, ist in der liebevollen Dokumentation „Strike a Pose“ von Reijer Zwaan und Ester Gould zu sehen. Das niederländische Duo zeigt die Männer erst in ihrem jetzigen Umfeld – alle haben noch immer etwas mit Tanz zu tun. Von der Tour erzählen sie anschaulich und begeistert. Schon der Anfangsapplaus habe sie jeden Abend wie ein Sturm aus Schreien schier weggeblasen, erinnert sich Kevin Stea. Für Oliver Crumes – als nicht ausgebildeter Tänzer und Heterosexueller doppelt in der Minderheit – war es auch hinter der Bühne ein Kulturschock. Doch bald wurden die anderen zu seiner Ersatzfamilie, und er überwand seine Homophobie.

Die in der Tour-Doku „Truth or Dare“ gezeigte Harmonie zwischen Madonna und ihren rund zehn Jahre jüngeren Tänzern war allerdings nur eine Seite der Medaille. Während die Sängerin jeden Abend an ihren an den Folgen von AIDS verstorbenen Maler- Freund Keith Haring erinnerte und dazu aufrief, die Krankheit nicht totzuschweigen, standen neben ihr drei HIV-positive Tänzer, die ihre Infektion geheim hielten. Ihr Liebling Gabriel Trupin starb 1995 mit nur 26 Jahren. Wenn nun Carlton Wilborn und Salim Gauwloos von ihrer Scham und der Verstellung berichten, ist das tief berührend. Ihre schwerste Zeit haben sie genau wie ihre alten Kollegen überwunden. Man sieht es in ihren Tanzschritten, die stolz und anmutig sind.

19.2., 14.30 Uhr (Colosseum 1), 21.2., 17.30 Uhr (Cubix 7)

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